Eine Bühne im Wandel
Vom ersten Opernhaus am Gänsemarkt bis zum neuen Opernbau in der Hafencity: Diese Ausstellung erzählt die Geschichte der Hamburgischen Staatsoper in Bildern – große Auftritte, prägende Momente, die Beziehung zwischen Bühne und Stadt. Folgen Sie ihr Bild für Bild.
Vom 22. September bis 19. Oktober 2026 ist die Ausstellung mitten auf dem Jungfernstieg zu sehen: In zehn beidseitig gestalteten, hinterleuchteten Vitrinen wird die Geschichte der Staatsoper – von ihren historischen Anfängen bis zum geplanten Neubau – für alle frei zugänglich erlebbar.
Die Ausstellung wird realisiert durch den Verein Lebendiger Jungfernstieg e.V.
-
Mit freundlicher Unterstützung durch die
-
Realisiert durch
-
Mit freundlicher Unterstützung durch die
1764
ließ der Theaterprinzipal Konrad Ernst Ackermann vom Baumeister David Fischer das „Comödienhaus“ am Gänsemarkt errichten. Es handelte sich um einen holzgetäfelten Bau, der an gleicher Stelle des zuvor abgerissenen alten Opernhauses (1678) stand. Die Eröffnung fand 1765 statt. Neben Musiktheater und Ballett stand hier auch Schauspiel auf dem Programm. Vor allem Gotthold Ephraim Lessing war es zu verdanken, dass sich das Comödienhaus bald „Deutsches Nationaltheater“ nannte und sich die Werke von Schiller, Goethe, Shakespeare und Lessing selbst auf dem Spielplan fanden. In jenen Jahren wechselte Hamburgs Opernhaus häufig seinen Namen: „Deutsches Theater“, während der französischen Besetzung 1806-1814 „Téâtre du Gaensemarkt“ oder „Hamburgisches Stadt-Theater.
© ×
1875
Am Platz der heutigen Staatsoper an der Dammtorstraße wurde 1827 ein neues Opernhaus eingeweiht. Das „Stadt-Theater“ mit über 2500 Plätzen entstand nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel und wurde vom Architekt Carl Ludwig Wimmel gebaut. Zwischen 1873 und 1875 baute der Hamburger Architekt Martin Haller das Haus um und schuf eine neue Fassade.
© ×
1943
Das ausgebrannte Vorderhaus. Bei einem schweren Bombenangriff im August 1943 wurden der Zuschauerraum sowie Nebengebäude der Hamburgischen Staatsoper völlig zerstört. Der Eiserne Vorhang rettete das Bühnenhaus vor den Flammen.
© ×
1946
Die Wahrnehmung der „Stunde Null“ in der Institution und im Gebäude der Staatsoper wurde von Improvisationen bestimmt. Die Hauptbühne, vom Brand verschont, diente als Bühne, Orchestergraben und Zuschauerraum in einem. Der Bühnenbildner Caspar Neher kümmerte sich um die Grundausstattung des Zuschauerraums und der Bühne. Dort, wo der eiserne Vorhang die Feuersbrunst aufgehalten hatte, wurde eine Wand hochgezogen. Am 9. Januar 1946 fand die Eröffnung des 1. Provisoriums im Bühnenhaus der Staatsoper statt, das 606 Zuschauern Platz bot. Gespielt wurde Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“.
© ×
1949
Am 15. Oktober 1949 fand auf der Bühne der Staatsoper die Eröffnung des auf 1226 Plätze vergrößerten 2. Provisoriums mit Strauss’ „Der Rosenkavalier“ statt. Über zwanzig Neuproduktionen gab es an diesem Ort, darunter unter anderem die Erstaufführung von Arthur Honeggers „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ (1950) oder die deutsche Erstaufführung der Bearbeitung Benjamin Brittens von Gays/Pepuschs „Bettleroper“ (1950).
© ×
1955
Da das Bühnenhaus, – 1925 von den Architekten Distel, Grubitz und Linnebach gebaut – im Krieg erhalten geblieben war, entschloss man sich trotz des beengten Platzes zwischen der Dammtorstraße, Großer und Kleiner Theaterstraße, die Oper an der alten Stelle zu belassen. Das von Gerhard Weber entworfene und realisierte Zuschauerhaus steht inzwischen unter Denkmalschutz.
© ×
1955
Am 15. Oktober 1955 erhielt die Stadt wieder ein richtiges, das heißt vollwertig bespieltes, Opernhaus mit 1679 Plätzen. Hamburger Bürgerinnen und Bürger engagagierten sich zum wiederholten Mal mit Geldspenden. Mit einer Vorstellung von Mozarts „Die Zauberflöte“ wurde dieses Haus an der Dammtorstraße festlich eingeweiht.
© ×
1960
Abendlicher Blick auf den beleuchteten Eingangsbereich der Staatsoper. Über einem niedrigen Sockel befinden sich die beiden Hauptgeschosse, die Front besteht aus großen Fensterflächen, in Gold- und Messingtöne eingerahmt. Tüllvorhänge und mosaikverkleidete Blumentröge erinnern an den Charme der Nierentischzeit.
© ×
1997
Am 26. Januar 1997 fand die Uraufführung von Helmut Lachenmanns szenischem Werk „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ als Auftragswerk der Hamburgischen Staatsoper statt. Dirigent der Uraufführung war Lothar Zagrosek. Szenische Konzeption, Regie und Bühnenbild lag in Händen von Achim Freyer. Anhand des Märchens von Hans Christian Andersen wird auf eine musikalisch beschreibende Weise dargestellt, wie der Mensch der Kälte und Einsamkeit in der Gesellschaft ausgeliefert ist. Die Botschaft des Andersen-Märchens vertieft der Komponist mit weiteren literarischen Vorlagen u. a. von Ernst Toller, Leonardo da Vinci, Günther Anders und der RAF-Aktivistin Gudrun Ensslin.
© ×
1998
Am 18. Januar 1998 feierte Richard Wagners Oper „Lohengrin“ in der Inszenierung von Peter Konwitschny und in der Ausstattung von Helmut Brade an der Staatsoper Premiere. Der Regisseur verlegte das Geschehen in eine Schulklasse der wilhelminischen Epoche, so, wie Wagner sie einem ziemlich schonungslos als Lektion in Machtpolitik, Liebe, Eifersucht und Tod vom großen „Komponisten-Lehrerpult“ aus vorsetzt. „Wir haben es mit unreifen Menschen zu tun, die große Sehnsucht nach etwas haben, aber nicht wissen, wie sie es leben sollen“, sagte der Regisseur über die Art und Weise, dem Publikum den „Lohengrin“ Wagners näher zu bringen.
© ×
2007
Hans-Christian Andersens Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ diente Hamburgs berühmtem Choreografen John Neumeier als Inspiration für ein Handlungsballett, das er 2007 mit Musik der russischen Komponistin Lera Auerbach entwickelte. In seiner Kreation schuf er zwei gegensätzliche Welten: Die eine verkörpert die Schlichtheit des Lebens unter Wasser, die andere zeigt die illusionslose Realität der Menschen an Land. Eine besondere Note erhielt Neumeiers Interpretation des Märchenstoffs durch die eingefügte Rolle des Dichters, der autobiografische Züge Andersens erhalten hat.
© ×
2013
Blick von der Dammtorstraße auf die Fassade der Hamburgischen Staatsoper. Der Bau von Gerhard Weber im heutigen Zustand.
© ×
2015
Am 15. November 2015 feierte „Le Nozze di Figaro“ in der Staatsoper Premiere. Regisseur Stefan Herheim nahm die Musik von Wolfgang Amadeus Mozarts „Komödie durch Musik“ wörtlich: Die notierte Musik wurde in seiner Inszenierung als tatsächlicher Raum beschritten, um daraus die Figuren zum Leben zu erwecken. Das Bühnenbild entwarf Christoph Hetzer, die Kostüme Gesine Völlm.
© ×
2025
„Den Neuanfang sichtbar machen und zugleich die Qualität und Geschichte des Gebäudes bewahren“, beschrieben Intendant Tobias Kratzer und Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber 2025 ihren Wunsch zur Neugestaltung der Parkettfoyers der Oper. Die Arbeit der Hamburger Künstlerin Jorinde Voigt versteht den Raum als begehbare Partitur und entwickelte das Bodengemälde in enger Beziehung zur bestehenden Architektur.
© ×
2025
Motiv aus einer Kampagnenserie für die Spielzeitvorschau 2025/26.
© ×
2026
Die Premiere von „Die große Stille“ fand am 15. März 2026 statt. In einem Musiktheaterprojekt entwarfen Regisseur Christopher Rüping und Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber das Szenario einer Welt jenseits bekannter Zivilisationen. In dieser Welt wird die Musik Wolfgang Amadeus Mozarts zum Maßstab des Menschlichen – zum Prüfstein dessen was bleibt, wenn alle vertrauten Koordinaten verschwunden sind.
© ×
2025
„Licht“ von Karlheinz Stockhausen ist der längste Opernzyklus der Musikgeschichte und wurde noch nie komplett aufgeführt. Elisabeth Stöpplers Inszenierung „Stockhausen für Kinder: Michaels Reise“ ist eine reduzierte Fassung aus „Donnerstag aus Licht“. Es handelt sich um ein rein instrumentales Stück. Michael, dargestellt von einer Solotrompete, reist um die Welt und gelangt zu sieben verschiedenen Stationen. Und das Publikum durfte in dieser Produktion mit auf Reise, tauchte tief ein in die unendlichen Weiten des Weltraums und in selten gehörte Klänge. Die Premiere wurde am 11. April 2026 in der opera stabile gefeiert.
© ×
Ab 203X (?)
Die abwechslungsreiche Geschichte der Hamburgischen Staatsoper in all ihren Herausforderungen seit 1678 spiegelt die Bedeutung einer der faszinierendsten und anspruchsvollsten Formen der darstellenden Kunst wider. Auch mit den Jahreszahlen schließt sich ein Kreis. Nahezu 200 Jahre nach dem Umzug in die Dammtorstraße steht der Plan zum Bau eines neuen Opernhauses auf dem Baakenhöft an: Für das architektonisch herausragende Gebäude nach einem Entwurf des dänischen Architekturbüros Bjarke Ingels Group ist eine grüne begehbare Dachlandschaft geplant, die Bewohner und Gäste der Stadt zum Verweilen einlädt. Ermöglicht wird der Neubau durch die Kühne-Stiftung.