Motiv El Cimarrón
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Daniel Gebhart de Koekkoek

El Cimarrón

Hans Werner Henze
Auf einer Kubareise begegnete Hans Werner Henze 1969 die Geschichte der Selbstbefreiung eines versklavten Menschen. Diese Biografie fand Ausdruck in seinem komplexen Werk El Cimarrón, getragen von der Hoffnung, Kunst könne zur Veränderung der Welt beitragen. Regisseur Matthias Piro liest die Lebensgeschichten von Protagonist und Komponist aus heutiger Perspektive: Wie nutzen wir Historie zur Projektionsfläche für politische Utopien? Wie erinnern wir?

Wochenende des Politischen Musiktheaters I: Klang als Politik – ein revolutionäres Experiment von 1969/70 und die Frage, wie es in unserer heutigen Zeit widerhallt

Rezital für vier Musiker:innen (1969/70)
Komposition: Hans Werner Henze
Libretto: Hans Magnus Enzensberger, nach dem gleichnamigen Buch von Miguel Barnet, das auf Gesprächen mit dem befreiten Estéban Montejo (ca. 1868–1973) basiert

Besetzung

Das Stück

  • Spielstätte Staatsoper, opera stabile
  • Dauer
    90 Min
  • Altersempfehlung Ab 16 Jahren / Klasse 11
  • Sprache In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Was passiert mit Biografien, wenn sie durch die Hände verschiedener Generationen gehen? In El Cimarrón verbindet Hans Werner Henze die Form des Rezitals für Sprecher und Kammerensemble mit einer dezidiert politischen Perspektive. Im Zentrum steht die Lebensgeschichte Estéban Montejos: in die Sklaverei auf einer kubanischen Zuckerrohrplantage hineingeboren, als junger Mann geflohen, jahrelang im Wald überlebt, später Kämpfer im Unabhängigkeits­krieg gegen die spanische Kolonialmacht. Diese Geschichte elektrisierte den Komponisten Hans Werner Henze, der sich in Deutschland zu dieser Zeit durch seine Homosexualität als Außenseiter fühlte, und seinen Librettisten Hans Magnus Enzensberger bei ihrer Kubareise im Jahr 1969. Noch im selben Jahr formten sie diese Biografie zu einem fünfzehnteiligen Werk aus der Ich-Perspektive – getragen von der Hoffnung, Kunst könne zur Veränderung der Welt beitragen. El Cimarrón ist Ausdruck eines Aufbruchs und als politischer Protest zu hören, aber zugleich tief in den Denk- und Bildwelten seiner Zeit verankert. Die Hamburger Inszenierung von Matthias Piro liest das Werk aus heutiger Perspektive. Sie fragt nach dem doppelten Erbe, nach der historischen Realität von Sklaverei, Kolonialismus und Gewalt – und nach der Art und Weise, wie eine europäische Nachkriegsgeneration diese Geschichte als Projektionsfläche für eigene politische Utopien nutzte. Wie erinnern wir? Wie politisch darf, kann und muss Musiktheater sein? Und was geschieht mit einer Musik, die einmal komponiert wurde – und dann dem Lauf der Zeit übergeben ist?
Rahmenprogramm

Das Vermittlungsprogramm der Hamburgischen Staatsoper

  • Einführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Foyer, keine Anmeldung erforderlich
  • CLICK in – debatte: Live-Podcast Politische Perspektiven #6
    23. Januar 2027, 17:00 · Foyer 2. Rang

  • CLICK in – debatte: Bilanzen
    Am 7. Februar 2027, findet im Anschluss an die Vorstellung ein Publikumsgespräch mit Produktions­beteiligten statt, das die Möglichkeit bieten möchte, in einen Dialog über die Inszenierung zu treten und Seh- und Höreindrücke Revue passieren zu lassen. Hier können Fragen gestellt, Eindrücke geschildert und Kritik geübt werden.

El Cimarrón

Hans Werner Henze

  • Dauer
    90 Min
  • Altersempfehlung Ab 16 Jahren / Klasse 11
  • Sprache In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln

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