Technischer Direktor der Hamburgischen Staatsoper
Porträt von
Reinhard zur Heiden

Auf den ersten Blick haben Spitzengastronomie und Oper nicht besonders viel gemeinsam. Reinhard zur Heiden sieht das anders. Bevor er in den Theater- und Opernbetrieb wechselte, arbeitete er als Koch in der Sterneküche. Heute ist er Technischer Direktor der Hamburgischen Staatsoper und damit für die technischen Abläufe hinter, auf und rund um die Bühne verantwortlich. Eine Gemeinsamkeit ist für ihn geblieben. „Ganz generell haben wir hier auch ein Publikum, das nicht mitbekommt, was hinter dem Vorhang oder hinter der Dekoration vorgeht. Das ist, was die Spitzengastronomie angeht, sehr ähnlich.“

Dass zur Heiden einmal an einer Oper arbeiten würde, war keineswegs vorgezeichnet. Er wächst in einer westdeutschen Kleinstadt auf, ein Theater oder eine Oper gibt es dort nicht. Musikalisch begeisterte er sich eher für Rock und Punk als für klassische Musik. Sein Weg zum Theater findet zur Heiden schließlich durch einen Zufall. Auf einer Autofahrt von Bayern nach Berlin nimmt er über eine Mitfahrzentrale jemanden mit. Dieser erzählt ihm von einem Studiengang für Theater- und Veranstaltungstechnik in Berlin. Zur Heiden wird neugierig, setzt sich in eine Vorlesung und bleibt schließlich. „Manchmal braucht es einfach solche Zufälle, um da zu landen, wo man ist.“

Parallel dazu entdeckt er die Berliner Theaterwelt und merkt schnell, dass er dort arbeiten möchte. Von den Theatern in Altenburg-Gera und Weimar über Potsdam bis nach Bern führt ihn sein beruflicher Weg schließlich nach Hamburg. Als Technischer Direktor ist er heute an der Staatsoper für rund 270 Mitarbeiter:innen aus den technischen Gewerken verantwortlich. Dazu gehören unter anderem Bühnentechnik, Beleuchtung, Video und Ton, aber auch Werkstätten, Requisite, Betriebselektrik und Haustechnik. Seine Aufgabe beschreibt er als Vermittlerrolle zwischen Kunst und Technik: „Wir sitzen in so ’nem Sandwich zwischen den technischen Gewerken und der Kunst. Unsere Hauptaufgabe ist, zu vermitteln, was geht.“ Einen klassischen Arbeitstag hat er nicht. Er führt viele Personalgespräche, beschäftigt sich mit Sanierungsprojekten und dem geplanten Opernneubau oder hilft dabei, kurzfristig Lösungen für die Produktionen zu finden. An langen Tagen kann sein Arbeitstag bis 23 Uhr dauern.

Dass bei Produktionen nicht immer alles nach Plan läuft, hat zur Heiden schon oft erlebt. „Es läuft alles schief, was man sich nur vorstellen kann“, sagt er und lacht. Oft sind es gerade die Dinge, mit denen vorher niemand gerechnet hat. Einmal fällt während einer Vorstellung die komplette Beleuchtungsanlage aus, sodass nur noch das Arbeitslicht funktioniert. In solchen Momenten muss schnell gehandelt werden. „Entweder kriegt man‘s hin und schickt vielleicht die Zuschauer kurz raus oder versucht, sich eine Lösung einfallen zu lassen zusammen mit den künstlerischen und technischen Vorständen. Im schlimmsten Fall kann man‘s eben auch nicht lösen.“

Seit zur Heidens Anfängen am Theater hat sich auch die Bühnentechnik verändert. Video und inzwischen auch Künstliche Intelligenz haben die gestalterischen Möglichkeiten erweitert. Entscheidend bleibt für ihn jedoch nicht der technische Aufwand, sondern die Wirkung einer Inszenierung. „Mich persönlich interessiert, ob mich die Geschichte berührt, ob mich die mitnimmt.“

Diese Wirkung hat für zur Heiden auch eine gesellschaftliche Dimension. „Kunst und Kultur sind, plakativ gesagt, der Kitt der Gesellschaft.“ Im besten Fall nehme man aus einer Inszenierung etwas zum Nachdenken mit und diskutiere anschließend darüber. Gleichzeitig müsse Kunst nicht immer diesen Anspruch erfüllen. „Trotzdem ist es aber auch ganz legitim, einfach mal nur zu unterhalten. Auch das ist toll.“

Auch wenn es einst ein Zufall war, der Reinhard zur Heiden den Weg von der Spitzengastronomie in die Theaterwelt eröffnete, ist daraus über die Jahre eine persönliche Leidenschaft für ihn geworden. „Ich empfinde es als großes Privileg, am Theater und an der Oper arbeiten zu dürfen. Weil das ist das, was mich heute auch privat interessiert.“

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