Lane Schäfer
Lane Schäfer ist freischaffende Kostümbildnerin im Opern- und Theaterbereich. Für ihre Arbeit ist sie im gesamten deutschsprachigen Raum, Schweden und auch Griechenland unterwegs. „Es ist ein Reiseberuf. Unterschiedliche Städte, Menschen, Mentalitäten und Architekturen zu erleben, ist Teil meines Alltags.“
Zurzeit arbeitet sie an der Hamburgischen Staatsoper am Multimedia-Opernstück Dornröschen. Die Vorbereitungen dafür begannen bereits Anfang des letzten Jahres. Das sei aber ein normaler Zeitraum für so eine große Inszenierung, sagt sie.
Der Schaffensprozess des Kostümbilds ist enorm komplex und umfasst viele Schritte und die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Menschen. Dazu gehören neben dem Regie-Team, Darsteller:innen und Sänger:innen auch „eine Armada von Werkstätten: Gewandmeisterei, Schneiderei, Maske, Hutmacherei, Schuhmacherei, Malerwerkstatt, Rüstmeister und technische Abteilungen“. Phasenweise arbeitet sie jedoch auch allein. „Man trifft an einem Tag 60 Menschen, mit denen man spricht und dann arbeitet man wieder tagelang sehr für sich allein, in der Recherche und dem Entwurf.“ Das mache den Beruf so facettenreich, es gibt keinen typischen Arbeitsalltag. Genau deswegen liebt Lane Schäfer ihren Beruf auch so. Und das merkt man ihr an.
Denn obwohl sie seit den frühen Morgenstunden wach ist, redet sie in einer Komplexität über ihre Arbeit, die mich sehr beeindruckt. Die Inspiration für ihre Werke findet sie auf unterschiedlichste Weise, in erster Linie aber in sich selbst und den ersten Impulsen und assoziativen Eindrücken. Die „künstlerische Intuition“ sei für sie besonders entscheidend. Darüber hinaus findet sie Anregungen in Fotografien, Malereien oder anderen künstlerischen Ausdrucksformen. Auch auf ihren vielen berufsbedingten Reisen findet sie immer wieder Inspiration für ihre Figuren. Über die Jahre habe sie sich so eine Art „inneres Archiv“ aufgebaut.
Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist die dramaturgische und psychologische Begleitung der Kostüme. Die Annahme, Kostüme seien rein optisch und nur ein ästhetischer Ausdruck, wäre falsch. Vor dem Entwurf fragt sie sich nicht, wie eine Person aussehen soll, sondern welche Persönlichkeit sie hat oder welche Gefühle sie verbirgt. Ziel sei es, über die Figuren eine Empfindung zu erwecken, ohne dass diese sprechen müssen.
Gleichzeitig ist der Kosmos des Kostümbilds und der Oper selbst auch eine politische Sphäre. Das beginnt schon bei der Beschaffung und Gestaltung der Kostüme. Denn obwohl Lane Schäfer am liebsten alle ihre Entwürfe in Werkstätten anfertigen lassen würde - das ist nämlich ihre liebste Arbeitsweise -, ist das aus Kosten- sowie Zeitgründen nicht immer möglich. „Kostümabteilungen sind immer auch mit der Frage von Budgethöhen, Fast Fashion und fairer Produktion der benötigten Stoffe konfrontiert.“ Dieses Spannungsfeld ist jedoch auch ein realer Teil des Schaffensprozesses, der kreative Lösungen provoziert.
Aber auch wenn nicht jedes Stück politisch ist, das sei auch „zu plakativ“, ist die Oper als Institution selbst ein politischer Ort. Das beginne schon bei Fragen danach, wer am Haus arbeitet, welche Stücke inszeniert und welche Figuren wie gezeigt werden, wie die Arbeitsverträge sind und noch vieles mehr.
Ein weiterer Aspekt ist das Thema Familie. Sie erlebe mitunter, dass Menschen aufgrund ihrer künstlerischen Identität und vor allem der Umstände des Berufsalltags in der Familienplanung eingeschränkt sind. Denn obwohl es bereits verschiedene Projekte und auch erste Angebote durch culture.care an einigen Häusern gibt, die sich mit der Frage von Vereinbarkeit von Familie im Künster:innenberuf beschäftigen, ist diesbezüglich noch Gestaltungsraum offen. Trotzdem appelliert sie an alle Künster:innen in diesem Zusammenhang mutig zu sein: „Wer einen Wunsch hat, soll ihm folgen.“
Kunst darf durchaus politisch sein, aber Politik darf nicht darüber entscheiden, welche Kunst stattfindet. Künstlerische Freiheit setzt voraus, dass kulturelle Institutionen weder zensiert noch für politische Zwecke instrumentalisiert werden.