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Bildrechte über Hamburgische Staatsoper

Frauenliebe und -sterben

Robert Schumann / Béla Bartók / Alexander Zemlinsky
Die Zeiten ändern sich, der Ort nicht. Schumanns Liederzyklus Frauenliebe und -leben – 1840: die Gefühle der namenlosen Frau kreisen um die Bedürfnisse eines Mannes. Ein Jahrhundert später bringt der jetzige Hausherr, Herzog Blaubart, eine neue Frau mit nach Hause – zwei mysteriöse Fremde, die sich magisch anziehen. Und wieder ein Zeitsprung: ins bürgerlich liberale Ehekonstrukt der Florentinischen Tragödie, wo eine ménage à trois eskaliert. Begehren wir in allen Zeiten gleich?

Drei Meisterwerke – zwei Jahrhunderte – eine Narration

Frauenliebe und -leben

  • Acht Lieder für Singstimme und Klavier op. 42 (1840)
    Komposition: Robert Schumann
    Gedichtzyklus: Adelbert von Chamisso

Herzog Blaubarts Burg

  • Oper in einem Akt (1918)
    Komposition: Béla Bartók
    Libretto: Béla Balázs

Eine florentinische Tragödie

  • Oper in einem Akt (1917)
    Komposition: Alexander Zemlinsky
    Libretto: Alexander Zemlinsky nach Oscar Wildes gleichnamiger Dichtung in der Übersetzung von Max Meyerfeld

Besetzung

Frauenliebe und -leben +
Herzog Blaubarts Burg +
Eine florentinische Tragödie +

Das Stück

  • Spielstätte Staatsoper, Großes Haus
  • Dauer
    170 Min
  • Pause Eine Pause von ca. 25 Minuten nach Herzog Blaubarts Burg (nach ca. 1 Stunde und 25 Minuten)
  • Altersempfehlung Ab 14 Jahren / Klasse 9
  • Sprache In deutscher und ungarischer Sprache
  • Triggerwarnung
    • Wir machen darauf aufmerksam, dass die Inszenierung von Frauenliebe und -sterben frauenfeindliche Handlungen enthält und sexuelle wie körperliche Gewalt darstellt.
Die Zeiten ändern sich, der Ort nicht. Tobias Kratzer, Regisseur von Frauenliebe und -sterben, verbindet Meisterwerke dreier Komponisten und ummantelt sie mit einer Erzählung, die einem großen Familienepos gleicht. Dabei werden aus den vermeintlichen Einzelschicksalen Panoramen von Sitte und Moral unserer Vergangenheit und Gegenwart. Robert Schumanns Liederzyklus Frauenliebe und -leben – 1840 ereignet sich ein Frauenschicksal, wie es unzählige gab: erste Liebe, Heirat, Ehe, Geburt und schließlich Tod der Frau. Die Gefühle der namenlosen Protagonistin kreisen um die Bedürfnisse des Mannes, der sich mehr und mehr von ihr entfernt. In die Rolle dieser Frau schlüpfen vier Ausnahmekünstlerinnen, die den Liederzyklus interpretieren:

Kate Lindsey am 12.4. und 15.4.
Annette Dasch am 17.4. und 15.5.
Marlis Petersen am 22.4. und 25.4.
Vera-Lotte Boecker am 20.5. und 22.5.

Eine Generation später bringt der jetzige Hausherr, Herzog Blaubart, eine neue Frau mit nach Hause: Judith. Die beiden ziehen sich magisch an – sie fasziniert vom mysteriösen Fremden, er von ihrem Glanz. Doch nach und nach entdeckt Judith Blaubarts früheres Leben samt den dort lauernden Abgründen. Und wieder ein Zeitsprung: In der Florentinischen Tragödie erkennen wir ein gänzlich neues Ehekonstrukt – bürgerlich, aber durchaus liberal. Als Simone seine Frau Bianca bei einer Affäre mit dem jungen Guido ertappt, verzeiht er ihr. Doch mehr und mehr dominieren traditionelle Geschlechterrollen. Die ménage à trois eskaliert. Kurzum: Begehren die Menschen in allen Zeiten gleich? Wo liegen Unterschiede?
Rahmenprogramm

Das Vermittlungsprogramm der Hamburgischen Staatsoper

  • Einführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Foyer, keine Anmeldung erforderlich
  • Am 22. Mai 2026, findet im Anschluss an die Vorstellung ein Publikums­gespräch CLICK in – debatte: Bilanzen mit Produktionsbeteiligten im Vorderhaus statt, das die Möglichkeit bieten möchte, in einen Dialog über die Inszenierung zu treten und Seh- und Höreindrücke Revue passieren zu lassen. Hier können Fragen gestellt, Eindrücke geschildert und Kritik geübt werden.

Pressestimmen

„Klug und anschaulich verknüpft Tobias Kratzer die Frauengestalten der verschiedenen Szenerien, ihr Leiden und ihr Aufbegehren [...] Karina Canellakis gibt ihr fulminantes Debüt an einem deutschen Opernhaus. [...] Viel Applaus für das Ensemble und die ungewöhnliche Koppelung der drei Stücke.“

 

Hamburg Journal

Zum Video

„So geht Musiktheater, das gar nicht aufregender sein kann.“

Süddeutsche Zeitung

 

„Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg: Sensationell, vom ersten Einsatz an, den Karina Canellakis bei ihrem Hausdebüt an der Staatsoper gibt. Klug, vielschichtig, elegant, farbensatt, ausbalanciert und in Engführung mit der dramatischen Absicht der Partitur, mit ihren Möglichkeiten und Extremen. [...] Kratzer wird konkret und verortet gesellschaftshistorisch. Er erzählt Blaubarts Verbrechen an Eckdaten entlang, die den Wandel zum Liberaleren belegen sollen, am Ende aber vor allem interessant anzusehen sind. [...] Annika Schlicht ist eine packende Judith, die sich tief in die Höhen ihrer Partie hineinschraubt, die immer intensiver wird. Und immer mehr Johan Reuter, der als Blaubart stimmstarkes Profil beweist, an die sprichwörtliche Kulissen-Wand singt und spielt.“

Hamburger Abendblatt

 

„Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter Leitung von Karina Canellakis spielt dermaßen vielschichtig und tiefgründig, dass es einem den Atem raubt. [...] Annika Schlicht als Judith, mit weichem, atmendem Mezzosopran macht aus diesem Stück ein Drama von heute. [...] Bartoks etwa einstündige Oper ist der Überwältigende Höhepunkt und Kern dieses Abends. So kann und muss Oper sein. [...] Es ist Musiktheater, das hautnah im Heute ankommt. Und klarmacht, dass Morde an Frauen , Vergewaltigung, digitale Gewalt immer noch an der Tagesordnung sind. [...] Eine Geschichte, die ihre Blutspur durch die Jahrhunderte zieht bis heute. Das ist erschütternd, aufwühlend, gerade jetzt.“

NDR 90,3

„Kate Lindsey sang Frauenliebe auf äußerst bewegende Weise. [...] Annika Schlichts Sopran entfaltete als Judith eine durchschlagende, fast laserartige Kraft – das hohe C zu Beginn der Fünften Tür ließ nichts zu wünschen übrig. [...] Karina Canellakis, die ihr Hausdebüt im Graben gab und erstmals überhaupt eine Oper in Deutschland dirigierte, entlockte dem Orchester ein großartiges Spiel – im Zemlinsky ein klanglich reich gewobener Teppich, durchzogen von üppigem Fin-de-Siècle-Gold.“

Opera Now

 

„Eine echte Neuinterpretation des Stoffs. [...] Bartók-Spezialistin Karina Canellakis entlockt dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg dazu einen vollen, einschmeichelnden Klang, der die Handlung durchaus originell unterstreicht. [...] Kratzer inszeniert das mit Freude an der Komödie, die entgegen des Titels auch in diesem Stück steckt.“

nachtkritik.de

 

„Tobias Kratzer inszeniert Alexander Zemlinskys Einakter Eine florentinische Tragödie an der Hamburgischen Staatsoper mit leichter Hand und starkem Sängerteam.“

neue musikzeitung

Dossier
Impression: Frauenliebe und -sterben
HANDLUNG:
Wie wollen wir lieben?

von Tobias Kratzer

Zur Handlung
Impression: Frauenliebe und -sterben
INTERVIEW: Fatale Kontinuitäten

Tobias Kratzer im Gespräch
mit Henriette von Schnakenburg

Zum Interview
Karina Canellakis
INTERVIEW: Zwischen Dunkelheit und Goldblatt

Karina Canellakis im Gespräch
mit Henriette von Schnakenburg

Zum Interview
STOFF ZUM NACHDENKEN

Wie viel Freiheit steckt in einer historischen Rolle? Und wann wird Tradition zum Korsett? Wir haben die Solistinnen Vera-Lotte Boecker, Annette Dasch, Kate Lindsey, Marlis Petersen und Annika Schlicht zum Gespräch gebeten – zwischen historischen Kostümdetails und hochaktuellen Fragen über Emanzipation und Rollenbilder in der heutigen Opernwelt.

 

In den kommenden Wochen veröffentlichen wir hier nach und nach die persönlichen Perspektiven unserer Künstlerinnen.

Was lehrt uns der Blick zurück über die Welt von heute? Kate Lindsey sieht in der ehrlichen Auseinandersetzung mit der Operngeschichte die notwendige Basis für einen modernen Wandel. Für sie liegt der Schlüssel im Kontrast: Nur wenn wir die alten Strukturen auf der Bühne real erlebbar machen, verstehen wir, wie weit wir als Gesellschaft bereits gekommen sind.

Wie viel Gegenwart verträgt historischer Opernstoff? Mezzosopranistin Annika Schlicht über den Wandel der Perspektiven auf und hinter der Bühne. Sie erklärt, warum sie eindimensionale Rollen heute bewusst „gegen den Strich bürstet“ – mal durch zwischenmenschliche Tiefe, mal durch die entlarvende Karikatur alter Klischees.

Frauenliebe und -sterben

Robert Schumann / Béla Bartók / Alexander Zemlinsky

  • Dauer
    170 Min
  • Pause Eine Pause von ca. 25 Minuten nach Herzog Blaubarts Burg (nach ca. 1 Stunde und 25 Minuten)
  • Altersempfehlung Ab 14 Jahren / Klasse 9
  • Sprache In deutscher und ungarischer Sprache
  • Triggerwarnung
    • Wir machen darauf aufmerksam, dass die Inszenierung von Frauenliebe und -sterben frauenfeindliche Handlungen enthält und sexuelle wie körperliche Gewalt darstellt.

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