Production photo: Luisa Miller
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Luisa Miller

Giuseppe Verdi
Production from 2014
"Luisa Miller" is Giuseppe Verdi’s third setting of a play by Friedrich Schiller. “It is a great drama, full of passion and very effective in theatrical terms,” the composer wrote to the librettist Salvadore Cammarano about “Kabale und Liebe”...

„Andreas Homoki […] zaubert mit Musik, Stimmen und Bühneneinfällen.“ DER SPIEGEL

Melodramma Tragico in three acts
Composer: Giuseppe Verdi
Libretto: Salvatore Cammarano after Friedrich Schiller's bourgeois tragedy Intrigue and Love
  • 1849 8 December, premiere at the Teatro Lirico in Milan
  • 2014 16 November, premiere of this production at the Hamburg State Opera
  • 2026 Vor der letzten Vorstellung findet das Gespräch „Vergegenwärtigt: Liebe & Feminismus“ zwischen Dr. Emilia Roig und ­­Katinka Deecke statt.
    5. Juni, 18:15 · Foyer 2. Rang

The Production

  • Venue Main Stage
  • Duration
    180 m
  • Intermission A break of ca. 25 minutes after the first act (after about 60 minutes)
  • Age recommendation Ab 14 Jahren / Klasse 9
  • Language In Italian with German surtitles
"Luisa Miller" is Giuseppe Verdi’s third setting of a play by Friedrich Schiller. “It is a great drama, full of passion and very effective in theatrical terms,” the composer wrote to the librettist Salvadore Cammarano about Kabale und Liebe. In order to conform to the expectations of the censors and audience, Verdi first had to reduce the play to a libretto suitable for opera, moving the focus from Schiller’s political tale to the family drama. In his opera, first performed in Naples in 1849, Verdi produced outstanding character studies of all his protagonists. In this work he laid the foundation for many “Verdi types” of later years, e.g. Iago, Giorgio Germont, Aida or Desdemona. Luisa Miller was first performed in Hamburg at the Hamburg State Opera in 1981 in a new production conducted by Giuseppe Sinopoli and directed by Luciano Damiani, who also designed the sets and costumes at the time.
Supporting Program
  • Vor der letzten Vorstellung findet das Gespräch „Vergegenwärtigt: Liebe & Feminismus“ zwischen Dr. Emilia Roig und ­­Katinka Deecke statt.
    5. Juni, 18:15 · Foyer 2. Rang

Über die Inszenierung

von Katinka Deecke

Übrig bleiben zwei Väter. Zusammengesunken über den toten Körpern ihrer Kinder, sind sie verdammt zu einem Leben ohne Zukunft und Zuspruch: Zwei alte Männer vereint in den Tränen um den Tod ihres Sohnes beziehungsweise ihrer Tochter, für die sie so viel erhofft, so viel geopfert haben. Das Ende von Giuseppe Verdis Oper Luisa Miller, die auf Friedrich Schillers bürgerlichem Trauerspiel Kabale und Liebe beruht, ist definitiv – auf die beiden Väter, mit denen die Oper endet, warten nur Finsternis und Leere. Wie viel Schuld die beiden dabei selbst auf sich geladen haben, wie viel Verantwortung sie für den Tod ihrer Kinder Luisa und Rodolfo tragen, lässt sich aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Je nach Positionierung hatten die Taten und Worte der Väter mehr oder weniger Gewicht in der Ereignisfolge, die schließlich zum Tod der beiden sich liebenden Kinder führte. Zweifellos aber gibt es jenseits der individuellen Handlungen der beiden Vaterfiguren Walter und Miller auch systemische Verantwortung. Ohne den einzelnen von seiner Schuld freizusprechen, gibt es etwas Größeres, das diese beiden Figuren ebenso durchdringt wie ihre beiden Kinder und dem sie sich nicht entziehen können. Dieses nicht personifizierte Denksystem, das um so vieles mächtiger als jede:r einzelne ist, macht die beiden Väter in Verdis Geschichte zu seinen Handlangern. Der eine von beiden, Miller, wird von Verdi als ein in der Liebe zu seiner Tochter aufgehender und nur um ihr Wohl und ihre Jungfräulichkeit (!) sich sorgender Vater gezeichnet. Den anderen, Walter, charakterisiert Verdi als ehrgeizigen und gewalttätigen Grobian, aber auch Walter begeht seine rücksichtslosen Taten einzig und allein im (vermeintlichen) Interesse seines Sohnes Rodolfo. Walter und Miller gemeinsam ist die Unfähigkeit, über die Grenzen der hyperpatriarchalen Ordnung, über die Mauern des rigiden Wertesystems hinauszublicken. Stattdessen haben sie die strenge Ethik dieser Ordnung tief verinnerlicht: Stärke, Ehre und Erfolg sind ihnen die Tugenden, nach denen Männer beurteilt werden; Bescheidenheit, Empfindsamkeit und Fürsorglichkeit gelten ihnen als Maßstab für ein gelungenes weibliches Leben (ergänzt noch um die entscheidende „Tugend“ der Jungfräulichkeit bei unverheirateten Frauen). Darüber hinaus teilen beide Väter – der eine adelig, der andere bürgerlich – ein sensibles Klassenbewusstsein und die Ahnung, dass klassenübergreifende Beziehungen außerhalb des gesellschaftlich Üblichen gefährlich sind. 

Fast 250 Jahre nach Schiller und über 150 Jahre nach Verdi hat sich die Ordnung, innerhalb derer in der heutigen Gegenwart das bürgerliche Leben verläuft, verändert, genauso wie das Rollenverständnis bürgerlicher Väter. Die Inszenierung, die Andreas Homoki 2014 erarbeitet hat, macht diesen Abstand deutlich, indem sie das Geschehen in der historischen Zeit von Schillers bürgerlichem Trauerspiel Kabale und Liebe situiert, im ausgehenden 18. Jahrhundert. Dadurch wird der Abstand zwischen uns heute und dem Drama von damals um so intensiver erlebbar: Viele der Tugenden, die Verdis Figuren in dieser Oper ins Unglück stürzen, spielen im 21. Jahrhundert nur eine untergeordnete Rolle, zum Beispiel berufen sich in bürgerlichen Sphären heute kaum noch Menschen je auf ihr Ehrgefühl, um Handlungen zu legitimieren. Auch sind Werte, die im 18. und 19. Jahrhundert stark den einzelnen Geschlechtern zugeordnet waren, inzwischen weniger klar gegendert, so dass es zum Beispiel starke feministische Stimmen gibt, die die einst weiblich konnotierte Fürsorglichkeit als männliche Eigenschaft betonen; andere machen beruflichen Erfolg, der damals Männern vorbehalten war, zum Maßstab eines gelungenen Frauenlebens. Und doch ist es erstaunlich einfach, dieser fast 250 Jahre alten Geschichte in der Inszenierung von Andreas Homoki zu folgen und sich mit ihren Figuren zu identifizieren. Wenn die Werte sich wirklich verändert haben – wieso löst eine vermeintlich so altmodische Geschichte diese starken Gefühle aus?

Luisa Miller

Giuseppe Verdi

  • Duration
    180 m
  • Intermission A break of ca. 25 minutes after the first act (after about 60 minutes)
  • Age recommendation Ab 14 Jahren / Klasse 9
  • Language In Italian with German surtitles

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