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La traviata
„Reines Verdi-Glück in der Staatsoper Hamburg“
Hamburger Abendblatt
Komposition: Giuseppe Verdi
Libretto: Francesco Maria Piave nach dem Roman La dame aux camélias von Alexandre Dumas dem Jüngeren
- 1853 6. März, Uraufführung am Teatro la Fenice in Venedig
- 2013 17. Februar, Premiere dieser Inszenierung an der Hamburgischen Staatsoper
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2027
Am 16. Januar, um 18:45 findet der Vortrag „Fetisch Stimme: Violettas Wandlungen“ von Prof. Dr. Stephan Mösch statt.
FRAMING Hall im Foyer 2. Rang
Mit Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung
Besetzung
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Musikalische Leitung
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Inszenierung
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Bühne
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Kostüme
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Licht
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Chor
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Dramaturgie
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Violetta Valery
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Flora BervoixIda Aldrian
- 3.1.27 /
- 5.1.27 /
- 7.1.27
Kady Evanyshyn- 14.1.27 /
- 16.1.27 /
- 29.1.27
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Annina
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Alfredo Germont
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Giorgio GermontBoris Pinkhasovich
- 3.1.27 /
- 5.1.27 /
- 7.1.27
Andrei Bondarenko- 14.1.27 /
- 16.1.27 /
- 29.1.27
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Gastone
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Il Barone Douphol
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Il Marchese d'Obigny
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Il Dottore Grenvil
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Giuseppe
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Das Stück
- Spielstätte Staatsoper, Großes Haus
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Dauer
160 Min
- Pause Eine Pause von ca. 25 Minuten nach dem zweiten Bild (nach ca. 75 Minuten)
- Altersempfehlung Ab 14 Jahren / Klasse 9
- Sprache In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Mit FRAMING the REPERTOIRE beleuchten wir vergangene Inszenierungen als eigenständige Kunstform.
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GUIDANCE: Diskutieren Sie mit jungen Expert:innen über Werk, Inszenierung und Relevanz – vor, während und nach jeder Vorstellung in den Foyers
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Am 16. Januar, um 18:45 findet der Vortrag „Fetisch Stimme: Violettas Wandlungen“ von Prof. Dr. Stephan Mösch statt.
FRAMING Hall im Foyer 2. Rang
Mit Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung
Am 21. Februar 2026 fand bereits ein Vortrag der Programmlinie FRAMING the REPERTOIRE zu La traviata statt. Die Musiktheaterwissenschaftlerin Dr. Ulrike Hartung zeigte am Beispiel von Giuseppe Verdis La traviata, wie Opern patriarchale Opferlogiken perpetuieren und als Spiegel struktureller Unterdrückung verstanden werden können. Warum sterben so häufig Frauen in Opern – geopfert für Geliebte, Brüder oder Volk? Hören Sie hier in den Vortrag rein, bevor Sie sich am 16. Januar 2027 mit dem Vortrag „Fetisch Stimme: Violettas Wandlungen“ von Prof. Dr. Stephan Mösch noch weiter mit La traviata auseinandersetzen können.
Über die Inszenierung
von Dr. Judith Wiemers
Die erste Begegnung mit Violetta Valéry ist eine stumme: Ihr lebloser, erschlaffter Körper liegt in den Armen Alfredos, der an ihrem Grab kauert. Mit dieser Rahmung erzählt Johannes Erath seine Inszenierung von Giuseppe Verdis La traviata aus dem Jahr 2013 als eine Rückblende, und somit als unausweichliches Schicksal einer Frau, die in die Mühlen einer patriarchalen Gesellschaft gerät. Nur im Angesicht des Todes vermag sie, intensiv zu leben.
Abweichend von der literarischen Vorlage Die Kameliendame (Alexandre Dumas d. J., 1848) stärken Verdi und sein Librettist Francesco Maria Piave in ihrer fünf Jahre später erscheinenden Oper die weibliche Perspektive. Mit Violetta Valéry küren sie eine für ihre Zeit untypische Frauenfigur zu ihrer Heldin, geben ihrem unerhörten Metier – der Sexarbeit – eine Stimme auf der Bühne und machen sie zum musikalischen wie psychologischen Mittelpunkt des Werks. Vor allem über ihre stimmliche Entwicklung wird Violetta zu einer plastischen, komplexen Figur. Die Partie wird gerühmt für ihre vielfältigen technischen Herausforderungen und emotionale Spannbreite. Violettas männliche Mitspieler und Widersacher bleiben im Vergleich hölzern und eindimensional. Und doch sind sie es, die ihr Schicksal bestimmen. Die Tragik dieser Oper liegt genau dort: im Kontrast zwischen Violettas musikalischer Dominanz und ihrem fremdbestimmten Schicksal. Erath lässt sie als Projektion heterosexueller männlicher Fantasie entstehen: im weißen Rüschenkleid, das – irgendwo zwischen Toulouse-Lautrecs Cancanrock und Hochzeitskleid – nur darauf zu warten scheint, Lage für Lage gelüftet zu werden, um das nackte Frauenbein zu entblößen. Das Milieu, aus dem Violetta hervorgeht, gießt Verdi in Musik und findet für die Schnelllebigkeit der Metropole Paris und das Amüsement der demimonde ein komponiertes Symbol: den Walzer. Die Inszenierung greift dieses musikalische Mittel räumlich auf. Eine Drehbühne wird zum instabilen gesellschaftlichen (Tanz-)Parkett, das die Protagonist:innen mal sicheren Fußes navigieren, auf dem sie jedoch zunehmend taumeln und straucheln. Anhalten lässt sich dieses Lebenskarussell nicht. Nur in einzelnen Momenten – etwa in der Bravourarie „Sempre libera“ – löst sich Violetta singend aus der Zeit, hält die Drehung an und verharrt, nur in der Stimme beweglich, bis der Lauf der Erzählung in diesen Schutzraum einbricht und sie auf ihr Ende zutreibt.
Die Atmosphäre des Vergänglichen als Grundannahme entlehnt Erath vor allem Verdis musikalischem Einstieg, wie es in diesem Programmheft zu lesen ist: „Durch die Vorwegnahme des Endes im Vorspiel hat Verdi das ganze Stück mit einem Schleier von Vergangenheit überzogen.“ Als bildliche Übersetzung dieses Gefühls erfindet Bühnenbildnerin Annette Julia Kurz einen stillgelegten Rummelplatz, der noch den Glanz des Gewesenen atmet und in gedimmtem Licht Melancholie verströmt.
Das Lebendigste, und gleichzeitig das Vergänglichste in dieser Lesart, ist also Violettas Stimme – die Stimme ist Leben. Verdi komponiert sie so agil wie bruchhaft, lyrisch wie dramatisch, verhalten wie exzessiv; er lässt sie lachen und seufzen, sprechen und jubilieren. In ihrer stimmlichen Präsenz zeigt sich Violettas gebündelte Lebenskraft, bevor ihr Klang, den welken Blättern in der Inszenierung gleich, schließlich verweht.