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La bohème
„Amor! Amor! Amor!“
Komposition: Giacomo Puccini
Libretto: Luigi Illica und Giuseppe Giacosa nach dem Roman Scènes de la vie de bohème von Henri Murger
- 1896 1. Februar, Uraufführung am Teatro Regio in Turin
- 2006 5. November, Premiere dieser Inszenierung an der Hamburgischen Staatsoper
- 2026 Am 20. Dezember, um 15:15 findet die Intervention „Alle Jahre wieder: Wärme schenken“ in Kooperation mit der Diakonie Hamburg und Hanseatic Help statt.
Besetzung
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Musikalische Leitung
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Inszenierung
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Bühne
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Kostüme
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Licht
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Choreografie
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Kinderchor
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Chor
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Rodolfo
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Schaunard
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Marcello
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Colline
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Benoît
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Mimì
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Musetta
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Parpignol
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Das Stück
- Spielstätte Staatsoper, Großes Haus
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Dauer
150 Min
- Pause Eine Pause von ca. 25 Minuten nach dem zweiten Bild
- Altersempfehlung Ab 14 Jahren / Klasse 9
- Sprache In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Mit FRAMING the REPERTOIRE beleuchten wir vergangene Inszenierungen als eigenständige Kunstform.
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GUIDANCE: Diskutieren Sie mit jungen Expert:innen über Werk, Inszenierung und Relevanz – vor, während und nach jeder Vorstellung in den Foyers
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Am 20. Dezember, um 15:15 findet die Intervention „Alle Jahre wieder: Wärme schenken“ in Kooperation mit der Diakonie Hamburg und Hanseatic Help statt.
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Probenbesuche am Vormittag – La bohème
In einer Bühnenprobe mit Orchester erleben Schüler:innen ab Klassenstufe 5, wie die Wiederaufnahme einer Repertoireproduktion vorbereitet wird.
17. Dezember 2026, 9:15 – 11:45 · Eingangsfoyer
Über die Inszenierung
von Henriette von Schnakenburg
Für manch eine:n gibt es nichts Schöneres, als wenn die Weihnachtsstimmung wieder Einzug in Hamburgs Straßen hält. Während sich die meisten an Lichterketten, Weihnachtsbäumen und Lametta erfreuen können, begegnet uns am Hauptbahnhof, in St. Pauli und an vielen anderen Orten tagtäglich eine ganz andere Lebensrealität: Auf den Hamburger Straßen ist Armut sichtbar. Doch was macht das mit einer Gesellschaft, die Armut zwar nicht vollständig aus ihrem Stadtbild verdrängt, aber auch nicht viele Lösungen für sie hat und stattdessen häufig nur zuschaut?
Am heutigen Abend, in Giacomo Puccinis La bohème, können wir uns bewusst mit diesem Phänomen, dem Betrachten des Elends mit sicherem Abstand, auseinandersetzen: Wir blicken auf eine bürgerliche Konsumgesellschaft gegenüber einer Gruppe von Künstler:innen, in der ein Mantel über Leben und Tod entscheiden kann. Guy Joosten entfaltet durch diese Gegenüberstellung in seiner 2006 für die Hamburgische Staatsoper erdachten Inszenierung eine tiefgehende Milieustudie. Auch über 100 Jahre früher, im Werk von Giacomo Puccini, stehen die Mittellosen im Zentrum der Handlung. La bohème wurde 1896 als Puccinis viertes Bühnenwerk uraufgeführt und ist auch heute noch eine der meistgespielten Opern überhaupt. Was aber passiert, wenn ein gesellschaftlicher Missstand über Jahrzehnte hinweg theatralisiert, aufgeführt und als Unterhaltungsgeschichte konsumiert wird?
Die Liebesgeschichte von Mimì und Rodolfo ist mit ihrem uneingeschränkten Eingeständnis für die Liebe
eine zeitlose Parabel für die wahren Werte im Leben – und zugleich eine Geschichte darüber, wie wenig Liebe gegen Kälte, Hunger und Krankheit ausrichten kann.
Rodolfo ist ein verarmter, aber umtriebiger Dichter. Er verliebt sich in Mimì, eine Näherin, die an Schwindsucht erkrankt ist. Die beiden sind umgeben von einer freigeistigen Freund:innengruppe, die trotz aller Härte nicht ihren Humor verliert. Puccini schenkt den Verarmten einen Reichtum an Melodien, zwischen Leichtigkeit und Existenznot, und trägt so die Frage, was der Mensch wirklich zum Leben braucht, mitten ins Herz des Publikums.
Dieser musikalische Zuckerguss wird von Joosten relativiert: Er rückt stattdessen den Kontrast der verschiedenen Lebenssituationen in der Gesellschaft in den Fokus. Die Bühne von Johannes Leiacker macht die Lebensräume prekär bezahlter Menschen ständig sichtbar: Wir blicken wie in einen aufgeschnittenen Bienenstock, in die Wohnungen des Häuserblocks, in dem die Freunde leben. Genau diese Wohnungen stehen im letzten Akt plötzlich leer – und zeigen eine der offensichtlichsten Herausforderungen für Geringverdiener:innen in einer Großstadt: bezahlbarer Wohnraum.
Joosten erzählt vor allem vom Haben und Nicht-Haben: Die einen hängen sich einen selbstgebastelten Weihnachtsbaum an die Wand, die anderen schieben sich dicht an dicht durch die Shoppingmeile, bis oben hin bepackt mit allerlei Weihnachtseinkäufen.
Joosten wirft aber große Fragen auf: Wo spielt sich Armut ab und wie gehen wir als Gesellschaft mit ihr um? An diesem Abend besetzen wir als Publikum eine ausschließlich von außen beobachtende Position – das Bild sozialer Not ist uns aber auch aus dem Alltag bekannt. Und dort können wir schließlich handeln.
In Hamburg gilt knapp jede fünfte Person als armutsgefährdet: 19,5 % der Hamburger:innen haben weniger als 60 % des mittleren Einkommens in der Stadt zur Verfügung. Für eine alleinlebende Person sind das weniger als 1.329 € netto im Monat (2024, Statistische Ämter des Bundes und der Länder). Durch Organisationen wie die Diakonie Hamburg, Hanseatic Help oder die Tagesstätte Alimaus gibt es direkte Kontaktpunkte zu den Lebenswelten der wohnungs- und obdachlosen Menschen, denen auch Sie mit einem Paar Handschuhe den Winter erleichtern könnten. Das ersetzt keine Lösung für strukturelle Probleme wie fehlender bezahlbarer Wohnraum, aber es lindert akute Not. Die Stadt Hamburg mit all ihren Hilfsorganisationen zeigt, genau wie der heutige Abend: Armut darf kein Tabu bleiben!
Kurz vor Weihnachten können wir uns in Puccinis anrührende Melodien vertiefen. Und darüber reflektieren, was eigentlich das wirklich Wertvollste in unserem Leben ist. Der heutige Abend kann nicht nur den Blick schärfen für das, was vor den Türen des Opernhauses geschieht – er lädt auch ein, direkt zu handeln: Kommen Sie am 20. Dezember 2026 ins Vorderhaus der Hamburgischen Staatsoper und erfahren Sie mehr über die Arbeit zweier Hamburger Hilfsorganisationen – Hanseatic Help und der Mitternachtsbus der Diakonie Hamburg. Bei jeder Vorstellung von La bohème können Sie Mützen, Handschuhe und Schals spenden und so gemeinsam mit uns Wärme schenken.