Staatsoper Hamburg
Politische Perspektiven
Der Gesprächspodcast
der Hamburgischen Staatsoper
Manche Opern werfen Fragen auf, die sich auf der Bühne nicht klären lassen. Fragen nach Macht und Gewalt, nach Freiheit und Zugehörigkeit, nach dem, was eine Gesellschaft zusammenhält und was sie auseinandertreibt. Die Musik kann sie stellen. Beantworten müssen wir sie selbst.
In Politische Perspektiven nehmen wir unsere Neuproduktionen als Ausgangspunkt und sprechen mit Menschen, die mit Oper erst einmal nichts zu tun haben, dafür umso mehr mit dem Thema: Journalist:innen, Autor:innen, Wissenschaftler:innen, die dort recherchieren und nachdenken, wo die Stücke hinzeigen. Eine Stunde, ein Gast, ein Thema. Live vor Publikum aufgezeichnet in der Staatsoper Hamburg, moderiert von der Dramaturgie des Hauses oder dem Intendanten Tobias Kratzer.
Ab sofort hier und überall da, wo es Podcasts gibt.
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#4
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Wir wissen, dass gemordet wird, und wollen trotzdem wissen, wie es weitergeht. Seit der Antike erzählen Menschen einander von Gewalt, Schuld und Strafe, heute am liebsten als True Crime. Daniel Müller, Chefredakteur von ZEIT Verbrechen und eine der Stimmen des gleichnamigen Podcasts, erklärt die Faszination mit Aristoteles und mit einem unbequemen Befund aus Jahren der Recherche: Jeder von uns kann zum Täter werden. Er spricht über Empathie mit Tätern und ihre Grenzen, über die Fälle, die er nicht mehr recherchieren kann, und über die Verantwortung eines Genres, an dem viele verdienen.
Anlass ist Verdis Macbeth, wo ein erster Mord eine Spirale aus Angst und weiteren Morden in Gang setzt. In Tobias Kratzers Inszenierung sitzt der Chor als beobachtende Schicksalsmacht auf einer Tribüne, dem Publikum gegenüber. Wer schaut hier eigentlich wem zu? Und was sagt es über uns, dass wir nicht wegsehen können? Daniel Müller kennt beide Seiten: die des Erzählers und die des Zuhörers.
#3
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Warum unterwerfen sich Frauen? Samira El Ouassil dreht die Frage um, bevor sie antwortet: Sie werden unterworfen. Und dafür braucht es keinen Hass. Es genügt Gleichgültigkeit, die gewöhnliche Grausamkeit derer, denen Widerspruch zu unbequem ist. Die Kolumnistin und Autorin spricht über den verinnerlichten männlichen Blick, über Monogamie als Besitzordnung, über die uralte Erzählung von der Frau, die erst durch den Mann vollständig wird, und über Plattformen, die an Frauenverachtung verdienen.
Anlass ist Frauenliebe und -sterben: Tobias Kratzer verbindet Schumann, Bartók und Zemlinsky zu einem Abend über Gewalt an Frauen quer durch die Jahrhunderte. Warum halten sich diese Muster so hartnäckig? Und ist ein Opernrepertoire voller misogyner Stoffe überhaupt noch zu retten? Samira El Ouassil antwortet anders, als man erwartet.
#2
Populismus oder wie das Unsagbare normal wird
Christopher Warmuth im Gespräch mit Ann Kathrin Müller
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Erst der Tabubruch, dann die Empörung, die Gewöhnung, der nächste Tabubruch. Ann-Katrin Müller recherchiert seit Jahren zur AfD und zu rechtsextremen Netzwerken, liest die Akten und steht auf den Wahlkampfveranstaltungen. Sie beschreibt, wie sich die Partei Schritt für Schritt radikalisiert hat, wie Normalisierung funktioniert und welche Fehler die anderen Parteien machen. Und sie erzählt, was es bedeutet, als Journalistin dafür bedroht zu werden.
Anlass ist Monster's Paradise von Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek, in Hamburg uraufgeführt. Die Groteske zeigt einen König-Präsidenten, der keine Überzeichnung mehr ist, sondern Abbild. Am Ende steht der bittere Befund der Autorinnen, alles künstlerische Anschreiben gegen den Rechtspopulismus habe nichts gebracht. Stimmt das? Und was kann jede und jeder Einzelne tun, wenn Satire die Wirklichkeit nicht mehr einholt? Ann-Katrin Müller hat darauf mehr als eine Antwort.
#1
Russland und die Rückkehr des Imperiums
Tobias Kratzer im Gespräch mit Katja Gloger
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1994 verlässt ein Vizebürgermeister aus St. Petersburg türenknallend das Hamburger Matthiae-Mahl, weil Estlands Präsident vor russischem Expansionsdrang warnt. Sein Name: Wladimir Putin. Sieben Jahre später spricht derselbe Mann auf Deutsch im Bundestag und wird gefeiert. 2007 lässt er in München die Maske fallen. Katja Gloger, langjährige Moskau-Korrespondentin des Stern, erzählt an diesen drei Szenen, woher der neue russische Imperialismus kommt und warum Deutschland ihn so lange nicht sehen wollte. Sie sprach mit Gorbatschow, interviewte Jelzin im Kreml und begleitete Putin als erste westliche Journalistin über Monate.
Anlass des Gesprächs ist Glinkas Ruslan und Ljudmila, die russische Nationaloper. Ihre Märchenreise nach Puschkin beginnt in Kiew und führt musikalisch durch ein ganzes Großreich, aber auch über Schlachtfelder. Feier der Vielfalt oder Stimme eines Imperiums? Und gehört russische Kultur heute überhaupt auf die Bühne? Katja Gloger weicht keiner dieser Fragen aus.