Impression Lucia di Lammermoor
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Brinkhoff/Mögenburg

Lucia di Lammermoor

Gaetano Donizetti
Inszenierung von 2021
Lucia und Edgardo lieben einander, doch ihre Familien sind verfeindet. Heimlich halten sie an ihrer Verbindung fest, bis Edgardo verreist und Lucia von ihrem Bruder gezwungen wird, den wohlhabenden Arturo zu heiraten ... Amélie Niermeyers Inszenierung des Belcanto-Klassikers wirft einen Blick in Lucias Elternhaus, offenbart ein zutiefst patriarchal geprägtes Familiengefüge und fragt nach möglichen Auswegen.

„Eine grandiose Inszenierung, die auch musikalisch in den Bann zieht.“
Hamburger Abendblatt

OPER IN DREI AKTEN
Komposition: Gaetano Donizetti
Libretto: Salvadore Cammarano nach dem Roman The Bride of Lammermoor von Walter Scott
  • 1835 26. September, Uraufführung am Teatro San Carlo in Neapel
  • 2021 19. Oktober, Premiere dieser Inszenierung an der Hamburgischen Staatsoper
  • 2026 Am 25. September, um 18:45 findet der Vortrag „Vergegenwärtigt: Positive Männerbilder – Wie geht es weiter?“ von Tobias Ginsburg statt.
    FRAMING Hall im Foyer 2. Rang

    Mit Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung

Das Stück

  • Spielstätte Staatsoper, Großes Haus
  • Dauer
    160 Min
  • Pause Eine Pause von ca. 25 Minuten nach dem zweiten Akt (nach ca. 80 Minuten)
  • Altersempfehlung Ab 14 Jahren / Klasse 9
  • Sprache In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Zwei Familien, eine Liebe und ein tödliches Ende: Lucia und Edgardo lieben einander, doch ihre Familien sind verfeindet. Heimlich halten sie an ihrer Verbindung fest, bis Edgardo verreist und Lucia von ihrem Bruder gezwungen wird, den wohlhabenden Arturo zu heiraten. Ohne jegliche Entscheidungsfreiheit bleibt ihr nichts anderes übrig, als dem zuzustimmen. Bei Edgardos Rückkehr ist es zu spät – und alle sind in einer ausweglosen Situation gefangen. Amélie Niermeyers Inszenierung dieses Belcanto-Klassikers ermöglicht einen Blick in die Zimmer von Lucias Elternhaus und offenbart ein zutiefst patriarchal geprägtes Familiengefüge. Die Produktion umkreist die Frage, inwiefern Frauen – damals wie heute – als Objekt behandelt und gehandelt werden. Und was mögliche Auswege sein können.
Rahmenprogramm

Mit FRAMING the REPERTOIRE beleuchten wir vergangene Inszenierungen als eigenständige Kunstform.

  • GUIDANCE: Diskutieren Sie mit jungen Expert:innen über Werk, Inszenierung und Relevanz – vor, während und nach jeder Vorstellung in den Foyers

  • Am 25. September, um 18:45 findet der Vortrag „Vergegenwärtigt: Positive Männerbilder – Wie geht es weiter?“ von Tobias Ginsburg statt.
    FRAMING Hall im Foyer 2. Rang

    Mit Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung

Über die Inszenierung

von Katinka Deecke

Im Oktober 2019 zog es die Herzen und Gedanken vieler progressiver und für Gerechtigkeit kämpfender Menschen nach Chile. Dort begann gerade ein linker Aufstand gegen Ungleichheit, der in dem Ziel gipfelte, eine neue, emanzipatorische Verfassung für das Land zu verabschieden. Feminist:innen und Marxist:innen aller Länder blickten nach Chile und hofften, dort ein Vorbild für ihre eigenen Kämpfe zu finden. Dass der Protest in diesem vergleichsweise kleinen südamerikanischen Land anhaltende globale Resonanz fand, ist (auch) einem bis dahin ganz unbekannten Kollektiv von vier chilenischen Frauen zu verdanken, die ein Gedicht geschrieben und einen Tanz erfunden haben. Die Schritte des Tanzes waren einfach, die Worte des Gedichts waren leicht zu merken. Und innerhalb kürzester Zeit versammelten sich nicht nur in Santiago de Chile und Valparaíso und Concepcíon große, ja sehr große Gruppen weiblicher Menschen auf öffentlichen Plätzen und schrien ihre Wut zum Himmel und zur Erde. Auch in Paris, Stuttgart, Bogotà, in Nairobi, Caracas und Neu-Delhi, in Tokio, Tel Aviv, Beirut versammelten sich tausende, zehntausende von Frauen, um „Un violador en tu camino“ in ihre Stadt zu tragen – „Ein Vergewaltiger auf deinem Weg“ lautet die Übersetzung des globalen Slogans. Bei ihrem Lied ging es Las Tesis (so der Name des Kollektivs, das Text und Choreographie erfand) darum, sich gegen die Gewalt und den Hass und die Verachtung zu wehren, denen Frauen* überall auf der Welt ausgesetzt sind, und sich die Wut über Vergewaltigungen, sexuelle Belästigungen, männliche Mitsprache über weibliche Körper, die Wut auch über Morde an Frauen, nur weil sie Frauen sind, aus den Herzen herauszuschreien (bis heute ist die eindrucksvolle Wirkung der Proteste auf YouTube nachzuvollziehen). 

Der berühmte Chor von Las Tesis ist der Ausgangspunkt von Amélie Niermeyers Inszenierung aus dem Jahr 2021 von Gaetano Donizettis Oper Lucia di Lammermoor. Niermeyer stellt der brutal in die Enge getriebenen jungen Frau Lucia, die von allen sie umgebenden Männern aufs Rücksichtsloseste missbraucht und für die eigenen Zwecke und Gefühle instrumentalisiert wird, einen Chor wütender, verzweifelter Schwestern zur Seite. Diese verschaffen sich noch vor dem ersten Ton des Orchesters mit „Un violador en tu camino“ Luft. Bis zu Lucias letzten Atemzug weichen die Frauen ihr nicht von der Seite. Immer, wenn der auf Lucia ausgeübte Druck nicht mehr auszuhalten ist und ihre Handlungsoptionen kaum noch vorhanden sind, stehen die Schwestern ihr bei. Stumm zwar, aber von durchdringender und stolzer Gegenwart und Lucia den Halt gebend, den die männlichen Figuren ihr systematisch entziehen. Und auch wenn sie Lucias Unglück nicht verhindern können, so lassen sie doch erahnen, dass der schwesterliche Zusammenhalt gegen patriarchale Gewalt einen Ausweg aus ihr darstellen könnte – seien die Opfer wie in Lucia di Lammermoor nun Frauen oder seien es Kinder, Menschen mit Behinderung, Migrant:innen, männliche Personen, die sich in den zur Verfügung stehenden Männerrollen einfach nicht wiederfinden wollen, oder oder oder. Schwestern aller Länder und die, die es gerne wären, vereinigt Euch. 

Die neue feministische Verfassung, die Chile sich nach den Protesten im Jahr 2019 geben wollte, wurde nach einem jahrelangen Prozess der Teilhabe und Mitsprache übrigens abgelehnt.

Lucia di Lammermoor

Gaetano Donizetti

  • Dauer
    160 Min
  • Pause Eine Pause von ca. 25 Minuten nach dem zweiten Akt (nach ca. 80 Minuten)
  • Altersempfehlung Ab 14 Jahren / Klasse 9
  • Sprache In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

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