Porduktionsfoto: L'Elisir d'Amore
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Brinkhoff / Mögenburg

L'elisir d'amore

Gaetano Donizetti
Inszenierung von 1977
Noch heute erzählt die 1977 entstandene Produktion des 1988 verstorbenen Regisseurs Jean Pierre Ponnelle fesselnd die Geschichte Nemorinos, der unglücklich in die Gutsbesitzerin Adina verliebt ist: Erst mit dem vermeintlichen Liebestrank eines ominösen Wunderdoktors nehmen die Gefühle ihren Lauf. Die Kräfte von Phantasie und Illusion, von Trug und Täuschung bringen Farbe in ein Dorf, vor dessen Toren der Krieg lauert.

„Wohltuend wie ein gut gereifter Bordeaux.“

Hamburger Abendblatt

Melodramma Giocoso in zwei Akten
Komposition: Gaetano Donizetti
Libretto: Felice Romani nach dem Libretto von August Eugène Scribe zu der Oper Le Philtre von Daniel Francois Esprit Auber (1831)
  • 1832 12. Mai, Uraufführung am Teatro Lirico in Mailand
  • 1977 18. Juni, Premiere dieser Inszenierung an der Hamburgischen Staatsoper
  • 2026 Vor der letzten Vorstellung findet das Gespräch „Künstlerkopf im Fokus: Jean-Pierre Ponnelle“ zwischen Intendant Tobias Kratzer und Grischa Asagaroff statt. 25. Januar, 14:15 · Foyer 2. Rang

Das Stück

  • Spielstätte Staatsoper, Großes Haus
  • Dauer 150 Min
  • Pause Eine Pause von ca. 30 Minuten nach dem ersten Akt (nach ca. 75 Minuten)
  • Altersempfehlung Ab 12 Jahren / Klasse 7
  • Sprache In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Seit fast 50 Jahren wird Donizettis Werk in der Regie des 1988 verstorbenen Regisseurs Jean Pierre Ponnelle am Haus gespielt. Eine liebevoll gearbeitete Inszenierung, der man gleichwohl ansieht, dass sie zu einer anderen Zeit entstanden ist. Die historische Dimension szenischer Interpretationen von Werken wird hier offenbar. Noch heute erzählt die Produktion fesselnd Nemorinos Geschichte, der unglücklich in die Gutsbesitzerin Adina verliebt ist. Erst als mit dem Auftreten des ominösen Wunderdoktors Dulcamara ein vermeintlicher Liebestrank zum Einsatz kommt, nehmen die Gefühle ihren Lauf. Die Kräfte von Phantasie und Illusion, von Trug und Täuschung bringen Farbe in ein Dorf, vor dessen Toren der Krieg lauert, die Manipulierbarkeit des Einzelnen und der Masse manifestieren sich.
Uraufgeführt wurde das Melodramma giocoso am 12. Mai 1832 am Teatro Lirico in Mailand. Die Hamburger Inszenierung feierte am 18. Juni 1977 Premiere.
Rahmenprogramm

Mit FRAMING the REPERTOIRE beleuchten wir vergangene Inszenierungen als eigenständige Kunstform.

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  • Vor der letzten Vorstellung findet das Gespräch „Künstlerkopf im Fokus: Jean-Pierre Ponnelle“ zwischen Intendant Tobias Kratzer und Grischa Asagaroff statt.
    25. Januar, 14:15 · Foyer 2. Rang

Grischa Asagaroff war viele Jahre ein enger Mitarbeiter von Jean-Pierre Ponnelle, der als Ausstatter, Theater- Opern- und Opernfilmregisseur sowie Maler tätig war und 1988 verstarb. Im Rahmen der Wiederaufnahme von Ponnelles legendärer Inszenierung von L'elisir d'amore, die bereits 1977 an der Hamburgischen Staatsoper ihre Premiere feierte, wird dem Jahrhundertkünstler in einem Gespräch zwischen Grischa Asagaroff und Intendant Tobias Kratzer gedacht und dem Spezifischen seiner Regiesprache nachgegangen.

Pressestimmen

„Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber entfaltete das Philharmonische Staatsorchester Hamburg Donizettis Partitur mit Schwung, Eleganz und feinem Gespür für belcantistische Transparenz. […] Die vier Solisten des Abends glänzten allesamt mit großer Spielfreude. […] Ein Opernabend, der ohne Regietheater-Provokation auskommt und als romantische Liebesgeschichte von großer musikalischer Leichtigkeit überzeugt – wohltuend wie ein gut gereifter Bordeaux.“

 

Hamburger Abendblatt

„Diese Produktion ist ein Juwel“

Als Wunderdoktor Dulcamara ist der beliebte Bassbariton Erwin Schrott in Donizettis „Liebestrank“ zu erleben. Ein Gespräch über Charme, Wahrheit, Leidenschaft und die Verbindung zweier Welten.

Zum Interview
Über die Inszenierung

von Grischa Asagaroff

Jean-Pierre Ponnelle war kein übermäßig großer Bewunderer der Musik von Gaeatano Donizetti und seiner Opern. Er hat – anders als viele andere Stücke – L’elisir d’amore und Don Pasquale nur je einmal in Hamburg bzw. London inszeniert und danach nie wieder! Vom damaligen Intendanten der Hamburgischen Staatsoper August Everding ließ er sich überreden, bei L’elisir d’amore Regie zu führen, weil ihm hierfür die weltbeste Besetzung zur Verfügung gestellt wurde: Mirella Freni als Adina, Luciano Pavarotti als Nemorino, Giuseppe Taddei als Dulcamara, Bernd Weiki als Belcore und Reynald Giovaninetti am Pult.

Das idyllische Bühnenbild – ein italienischer Bergdorfplatz mit Kirche und großer Treppe, Torbogen und Gassen mit schönem Horizont – war hauptsächlich aus Styropormaterial auf Eisen- und Holzunterbau hergestellt und ähnelte seinem Bühnenbild von Cavalleria rusticana von Pietro Mascagni an der Wiener Staatsoper. Die Kostüme entwarf Pet Halmen, der zunächst Ponnelles Assistent war und dann immer häufiger als sein Kostümbildner fungierte. Ponnelle war stets sein eigener, perfekter Lichtdesigner. 

Jean-Pierre Ponnelle kannte die Musik seiner Inszenierungen bis ins kleinste Detail und wusste die musikalischen Ideen und Akzente für den Bewegungsablauf seiner Akteur:innen zu nutzen, wobei er meist sehr symmetrisch „choreografierte“. Dies wird in seiner Deutung von L’elisir d’amore insbesondere bei den Duetten augenscheinlich, wo häufig ein:e Duettpartner:in links und eine:r rechts platziert ist und diese dann zur Musik die Seiten wechseln. Die hier entstehende Symmetrie unterstützt Ponnelle über die Positionen von Adina links und Nemorino rechts in der Portalzone mit Geländern zum Orchestergraben. Dulcamara hingegen – ähnlich dem Chor und häufig auch Belcore – ist eher in der Mitte positioniert. Ponnelle liebte keine Unterbrechungen für Szenenwechsel und Umbauten, sondern versuchte fast immer mit Hilfe von Chor oder Statist:innen offene Verwandlungen und somit einen übergangslosen Ablauf der Handlung zu realisieren, was auch bei dieser Arbeit gut sichtbar wird. 

Die Hamburger Inszenierung von L’elisir d’amore stellte für Jean-Pierre Ponnelle eine einzige Freude dar. Das erzählte er mir persönlich, als ich die damalige Aufführung besuchte. Er kannte alle vier Sänger:innen, die darstellerisch und stimmlich damals auf dem Höhepunkt ihres Könnens waren, bereits sehr gut und genoss die Arbeit mit ihnen. Bernd Weikl gab als einziger sein Rollendebüt. Alle Hauptdarsteller:innen konnten ihre eigenen Ideen mit in die Inszenierung einbringen und mit Ponnelles Ideen zusammenführen. Sie hatten eine große Freude am Spiel, was sich auch auf den Chor und auf das Publikum übertrug und zu einem fantastischen Erfolg führte. Als Luciano Pavarotti in einer Szene mit einem echten Lämmchen im Arm auf einem Bäumchen saß, brach stürmischer Szenenapplaus los. In späteren Wiederaufnahmen wurde diese Szene verändert. Auch Belcores Auftritt mit einem Laufrad und Dulcamaras Auftritt in einer Kutsche riefen beim Publikum ein begeistertes Echo hervor. Die Premiere geriet zu einem aus dem Rahmen fallenden Ereignis an der Hamburgischen Staatsoper, so dass die Produktion bis heute, 49 Jahre später, noch gespielt wird. 

L'elisir d'amore

Gaetano Donizetti

  • Dauer 150 Min
  • Pause Eine Pause von ca. 30 Minuten nach dem ersten Akt (nach ca. 75 Minuten)
  • Altersempfehlung Ab 12 Jahren / Klasse 7
  • Sprache In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

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