Vergegenwärtigen Sie sich!

Review #7 – SIE UND WIR und die Zeichen der Zeit

HABEN SIE HEUTE SCHON DIE WIRKLICHKEIT VERÄNDERT? Natürlich! Wie jeden Tag. Schließlich ist unsere Wirklichkeit unsere Gegenwart: Wir schaffen Tat-Sachen, beeinflussen, verwirklichen. Und immer dann, wenn Sie in einem unserer Zuschauerräume Platz nehmen, werden Sie auch Teil anderer Wahrnehmungen: des Einlasspersonals zum Beispiel, ganz sicher der Künstler:innen und vieler anderer Mitarbeitenden; nicht zu vergessen: der Personen links, rechts und hinter Ihnen, denen Sie zu breit, zu groß, zu haarig, zu parfümiert oder auch mal: SEHR ANGENEHM erscheinen.

 

Geht dann das Licht aus, verändern wir Ihre Wirklichkeit: Von der Bühne herab entern NARRATIVE AUS LICHT, TON UND BEWEGUNG Ihre Gegenwart, manche von ihnen Hunderte von Jahren, manche erst eine Minute alt, die allermeisten von ihnen Unikate, bemüht um Reproduzierbarkeit, verankert durch Komponist:innen, Regisseur:innen und Choreograf:innen.

 

Aber welche Rolle spielt denn deren Entstehungszeit? Jucken Sie denn wirklich die beiden Jahreszahlen vor der 26? Spielen denn nicht die größte Rolle in diesem ganzen Gefüge am Ende … Sie?! Ja, Sie haben richtig gehört: Sie, deren Sinne DAS GESEHENE, GEHÖRTE, GEFÜHLTE einordnen in Ihre ganz persönliche Wirklichkeit, die wiederum Ihre Gegenwart definiert. Sie, die Einzigen, um die es immer, immer, in absolut jeder Vorstellung und in jedem Konzert, gehen wird. SIE, DAS PUBLIKUM!

 

Nein, vergessen Sie’s, wir schreiben Ihnen diesen Review heute nicht, um mit Ihnen über Ihre Gage als Zuschauer:in zu verhandeln. Wir schreiben Ihnen, um Sie auf EIN SELTENES EREIGNIS aufmerksam zu machen, das Sie vielleicht nur in diesem Februar erleben werden: Denn in diesen Tagen verhandeln wir in all unseren drei Sparten mit Ihnen über NICHTS GERINGERES ALS DIE ZEIT.

 

Gehen wir mit der Zeit? Oder geht die Zeit vielmehr mit uns? Das ist hier die Frage. „Die Zeit ist aus den Fugen“, schüttelte schon Shakespeares Hamlet voller schwarzer Galle das melancholische Köpfchen. Das war zwar vor 400 Jahren, wird aber heute immer dann gern zitiert, wenn in der Weltpolitik mal wieder DER WAHNSINN durchsickert.

 

Und genau dieser Wahnsinn ist der Grund, warum nur 400 Kilometer von Hamlets dänischer Burg entfernt EIN RIESIGES SCHWARZES MONSTER über die Fassade der Hamburgischen Staatsoper geistert und diverse Schuppentiere auf zwei Beinen die Straßen und U-Bahnen bevölkern. MONSTER'S PARADISE heißt die satirische Antwort der Oper auf eine von despotischen Machtstrukturen in die Absurdität geführte Weltpolitik. Fast schon filmisch mit vielen engen „Schnitten“ und einer bunten Wildheit, beantwortet sie die Frage: WAS HABEN DIE KOMPONIST:INNEN (IN) DER HEUTIGEN ZEIT ZU SAGEN?

 

Machen Sie sich bei dieser WELTURAUFFÜHRUNG BIS ZUM 19. FEBRUAR selbst ein Bild. Ordnen Sie sie ein: zwischen Ihre Alltags- und Ihre Medienwirklichkeit. Nutzen Sie die Oper als einen Ort, an dem Sie darüber reflektieren können, was das Leben ist und was die Menschheit daraus macht. In vielfältigen Interviews mit den Urheberinnen – der Komponistin OLGA NEUWIRTH und Literaturnobelpreisträgerin ELFRIEDE JELINEK – und an der Produktion Beteiligten – dem Regisseur Tobias Kratzer, dem Musikalischen Leiter Titus Engel, dem Bühnen- und Kostümbildner Rainer Sellmaier, der Schauspielerin Sylvie Rohrer – erfahren Sie mehr über die Hintergründe von Monster's Paradise auf unserer Website und in unseren Social Media-Kanälen.

 

Doch damit nicht genug, denn auch das Hamburg Ballett und das Staatsorchester verfolgen im Februar Uraufführungsgedanken. In Zeitraffer-Geschwindigkeit nimmt Sie der Ballettabend FAST FORWARD vom 22. Februar an mit auf eine Reise durch 90 Jahre Tanzgeschichte. VON MONDAUFGANG BIS MONDUNTERGANG. Denn sie beginnt mit einem bahnbrechenden Werk des 20. Jahrhunderts – beim berühmten George Balanchine und seiner Serenade zur Musik Peter Tschaikowskys – und endet in einem neuen Tanzerlebnis der Gegenwart. Mit The Moon in the Ocean gibt Xie Xin ihr Debüt als Choreografin der Hamburgischen Staatsoper. 

 

Und seien Sie nicht traurig, wenn Sie das 5. Philharmonische Konzert von und mit dem zeitgenössischen Komponisten Mikhail Pletnev verpasst haben: Das nächste ZEITSPIEL folgt nämlich bestimmt.  Am 22. und 23. Februar schlägt Giorgi Gigashvili die nächste BRÜCKE ZWISCHEN DEN JAHRHUNDERTEN – und Musikrichtungen! „Was ich mit dem dritten Satz des d-Moll-Cembalokonzerts vorhabe, kommt aus meinem Innersten, aus meinem Herzen.“

 

Seien Sie also gespannt auf ein 6. PHILHARMONISCHE KONZERT, das unsere Sympathien für Johann Sebastian Bach durch Gigashvilis Interpretation der „Bach Suite“ von Jazzlegende Oscar Peterson ins Hier und Jetzt führt. GERADEWEGS IN IHRE WIRKLICHKEIT HINEIN – bereit, Ihre Hörgewohnheiten für immer zu verändern.

 

Hamburg, 2. Februar 2026

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