ESSAY: WIE WIRD EIN MENSCH ZUM TYRANNEN?

Auszug aus dem Essay von Prof. Dr. Susanne Rupp

Impression: Macbeth
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Monika Rittershaus

Die anhaltende Wirkmächtigkeit von William Shakespeares Dramen ist weniger darin begründet, dass dieser – wie oft behauptet – universale Werte und Wahrheiten zum Ausdruck bringt, sondern vielmehr darin, dass er Fragen aufwirft und Gewissheiten zur Disposition stellt. Er ist darin ein Kind seiner Zeit, des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts, und zugleich unser Zeitgenosse, denn die aufgeworfenen und letztlich unbeantworteten Probleme treiben auch heute noch das Denken an.

Im Macbeth verdichtet sich diese Grundhaltung zu einer zentralen Frage: Welche Instanzen bestimmen menschliches Handeln? Ist der Mensch dazu in der Lage, selbstbestimmt zu entscheiden und zu handeln, oder wird er – ähnlich wie in der antiken Tragödie – von Schicksalskräften getrieben und taumelt dem unausweichlichen „fatum" (Schicksal) folgend seinem Untergang entgegen?

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Impression: Macbeth
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Monika Rittershaus

Auf der Bühne werden zunächst zwei dominante Erklärungsmuster sichtbar: Die Hexen repräsentieren die Vorstellung vom Schicksal als determinierender Kraft. Im Drama als „weird sisters" beschrieben, ist ihnen der Bezug zum Schicksal eingeschrieben (im Altenglischen bedeutet „wyrd" Schicksal). Mit ihrem Wissen manipulieren sie Macbeth und verweisen auf vorgezeichnete Lebenswege. Lady Macbeth hingegen verkörpert die Alternative, nämlich die Position eines autonom handelnden und von Ehrgeiz angetriebenen Subjekts. Macbeth selbst schwankt zwischen diesen Möglichkeiten, entscheidet sich jedoch schließlich für die Position seiner Frau und arbeitet gemeinsam mit ihr an deren Umsetzung.

 

 

Wie diese Spannung zwischen Schicksal und freiem Willen im weiteren Verlauf der Oper eskaliert – und ob sich am Ende überhaupt entscheiden lässt, wer oder was Macbeths Weg zum Tyrannen bestimmt: Der ganze Essay von Susanne Rupp im Programmbuch zur Neuproduktion, erhältlich an der Vorstellungskasse und im Opernshop.

Donnerstag Do 8.10.
Sonntag So 11.10.
Samstag Sa 17.10.
Dienstag Di 20.10.