Richard Dubugnon

Komponist Richard Dubugnon über seinen Mendelssohnschen „Geistersatz“

von Michael Horst

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Richard Dubugnon

Wann haben Sie Mendelssohn kennengelernt? 

Ich kam mit Mendelssohns Musik in Berührung, als ich noch ein Kind war, vielleicht acht Jahre alt. Meine Eltern hatten eine Aufnahme seines Violinkonzerts, mit Itzhak Perlman in der legendären Aufnahme von 1973 mit dem London Symphony Orchestra und André Previn. 

 

In was für einen Dialog treten Sie mit dem so viel älteren Komponisten Ihrer Wahl?

Ich versuche, die Essenz dieses Konzerts einzufangen und mir vorzustellen, wie sie in der Zukunft klingen könnte, so als ob Mendelssohns Geist mir die neue Version durch ein Medium diktieren würde.

 

Tauchen Sie mit Ihrem Werk und dessen Stil in die Zeit der anderen Komposition ein? Oder bevorzugen Sie es, ganz im 21. Jahrhundert zu bleiben?

Für mich haben Zeit und Sprache nur geringe Bedeutung, denn wir Künstler versuchen alle dasselbe zu kommunizieren, nur  mit verschiedenen Mitteln. Mein „Geistersatz“ dürfte mehr oder weniger dieselbe Energie wie Mendelssohn ausstrahlen, allerdings gefiltert durch die Leinwand des Jenseits.

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit einer solchen musikalischen Metamorphose? 

Ich finde es wichtig, ab und zu meine Musik mit der Vergangenheit zu verlinken, so wie in meiner Kammersinfonie Nr. 1, in der ich die Bach-Motette „Alles was Odem hat, lobe den Herrn“ zitiere, oder in meiner dritten Klaviersonate, in der ich Elemente aus Chopins zweiter Klaviersonate benutzt habe, welche in rückläufiger Bewegung fortlaufen, so dass das gesamte Stück wie ein 13-minütiges Palindrom wirkt. Außerdem habe ich in meiner Helvetia Symphony schweizerische Volkslieder und Hymnen verarbeitet.

 

Im Mittelpunkt dieser Saison steht die Idee vom Spiel. Wie „spielerisch“ gehen Sie mit dem Orchester und seinen Instrumenten um?

Ich habe eine Leidenschaft für die Kunst der Instrumentierung, die ich in Paris unterrichte, und ich sorge dafür, dass alle Musizierenden in einem Werk irgendwann etwas Spannendes zu spielen haben. 

 

Was bedeutet für Sie Spiel – im musikalischen und im nichtmusikalischen Sinn?

Spielen findet man überall in der Kunst. Wir spielen Musik, wir spielen in einem Film oder einem Theaterstück, wir spielen mit Worten … Ich betrachte Kunst als ein Spiel ohne Grenzen, wo der Gewinner auf geschickte Weise Expressivität mit Intellekt auf höchstem Niveau kombinieren kann, wie etwa in Hermann Hesses Glasperlenspiel