Essay: Über Fantasie

von Ute Krause

Auszug aus einem Essay von Ute Krause, den gesamten Text lesen Sie im Programmbuch.

Ute Krause
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Elena Ternovaja
Ute Krause

Was ist für Sie Fantasie? Eine höhere Form des Denkens, ein Fluchtweg, eine Form der Erinnerung oder eine Zukunftsvision? Der Doppelabend Petruschka & L'Enfant et les Sortilèges zeigt, wie wichtig die Fähigkeit ist, zu träumen – nicht nur für Kinder, sondern vielleicht gerade für Erwachsene.

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Das Wort „Phantasie" kommt aus dem Griechischen und bedeutet „sichtbar werden"; für Aristoteles bestand die Arbeit der Fantasie deshalb darin, „Dinge vor dem inneren Auge zu sehen, die gerade nicht da sind". […] Fantasie geht mit Kreativität und Erfindergeist Hand in Hand, und beides ist uns Menschen gegeben. Meines Erachtens erfüllt sie unser Leben mit Sinn und einem Gefühl tiefster Befriedigung.

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Oft werde ich gefragt, wie ich es geschafft habe, alles miteinander zu verbinden (und beruflich Erfolg damit zu haben). Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, war ich mir wie viele Kinder der Parallelität von realer und Fantasie-Welt bewusst. […] Meine Familie und ich waren erst kurz zuvor nach Indien gezogen, wo ich bald darauf auf ein indisches Mädchen-Internat kam. […] Gleich während unserer ersten Monate im Internat (wir schreiben das Jahr 1971) begann ein zum Glück recht kurzer Krieg zwischen Indien und Pakistan. Es gab jede Nacht Fliegeralarm, und die Militärmaschinen flogen so tief über die Schlafsäle, dass die Fensterscheiben klirrten. […] So lag ich – auf Entwarnung wartend – in der Dunkelheit des Schlafsaals und machte mir große Sorgen, was aus all dem noch werden sollte. Um mich abzulenken, begann ich, mir Geschichten auszudenken, die mit jeder weiteren Nacht länger und komplexer wurden, wobei ich immer einen „Film" vor meinem inneren Auge sah, der von Mal zu Mal lebendiger wurde. […] Ohne es zu beabsichtigen, habe ich mir damals beigebracht, Handlung und Figuren in allen Details zu visualisieren und mich, wann immer ich wollte, mit der Fantasie-Welt zu verbinden.

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Und so erfüllt mich ein leeres Blatt Papier, eine neue Möglichkeit, bis heute mit einem Gefühl der Freude […]. Versuchen Sie's doch einmal. Man muss keine Schriftstellerin sein, um sich und seine inneren Welten kennenzulernen. Und es lohnt sich!