Im Dialog
von Lucilla Schmidinger
Ihr widmet einen Großteil eures Lebens seit eurer Kindheit der Posaune.
Wie hat eure Beziehung zu diesem Instrument begonnen?
JOÃO MARTINHO: Ich habe mit sieben Jahren angefangen Trompete zu spielen und dann nach sechs Monaten zur Posaune gewechselt. Kurz später wurde ich dann auch Mitglied in der Blaskapelle meines kleinen portugiesischen Heimatortes. Dass ich das Posaune-Spielen zu meinem Beruf machen möchte, wusste ich bereits mit zwölf Jahren.
JONAS BUROW: Meine Anfänge waren mit neun Jahren im Posaunenchor Nördlingen und ich hatte zunächst bei meinem Bruder Unterricht. Von da ging es dann Schritt für Schritt weiter, von verschiedenen regionalen Orchestern über das Landesjugendorchester bis ins Bundesjugendorchester. Ich war ungefähr siebzehn, als ich entschieden habe, dass ich das beruflich machen möchte.
Die meiste Zeit am Instrument verbringt ihr im Orchester, entweder im Orchestergraben der Oper oder im großen Saal der Elbphilharmonie – ein Konzert mit vier Posaunen ist eher selten.
Inwiefern unterscheidet sich das Posaunespielen in diesen verschieden großen Kontexten?
JONAS BUROW: Tatsächlich ist das Spielen in kleineren Ensembles bei uns beiden wesentlicher Bestandteil unserer Karriere, ich bin beispielsweise seit 2011 Teil des Salaputia Brass Ensemble. Auch in der Ausbildung spielt man als Posaunist sehr viel in Gruppen und Ensembles, da kommt man immer zusammen auf die Bühne. Und auch im Orchester sind wir quasi “Rudeltiere”, es gibt selten große Posaunensoli, außer z. B. bei Ravels Bolero oder Mahlers dritter Symphonie – meistens spielen wir als ein Posaunensatz zusammen. Bei Kammermusik können wir allerdings mehr Individualität zeigen.
JOÃO MARTINHO: Der größte Unterschied zum Orchesterspiel ist, dass die spieltechnischen Anforderungen in der Kammermusik meist um einiges höher sind. Das Konzept des Zusammenspiels ist nicht so anders; man muss in klein besetzten Werken einfach mehr und Schwierigeres spielen – da hat Virtuosität einen größeren Stellenwert, während im Orchester der Fokus hauptsächlich auf gutem Klang und Zusammenspiel liegt.
Die Posaune gibt es seit dem 15. Jahrhundert – zunächst als Weiterentwicklung der Zugtrompete, um die enorme Länge einer Naturtrompete (ca. 2,80 m) zu vermeiden, indem man sie aufwickelte und einen beweglichen Zug einbaute. Sie ist neben der Violine eines der ältesten voll chromatisch spielbaren Instrumente. Dennoch verbinden wenige mit ihr das Metier der Kammermusik in gleicher Weise wie mit einem Streichinstrument.
Wie sieht es mit dem entsprechenden Repertoire aus und wie spiegelt es sich im heutigen Konzertprogramm wider?
JONAS BUROW: Es gibt grundsätzlich tatsächlich bisher weniger Konzertrepertoire für Posaune bzw. Blechbläser als z. B. für Streicher oder Holzbläser. Allerdings hat sich unsere Instrumentengattung auch erst in den letzten Jahrzehnten technisch sehr weiterentwickelt: langjährige Professoren erzählen oft, dass was heutzutage in Aufnahmeprüfungen
gespielt wird, früher tendenziell eher ein Abschlussstück war. Dazu kommt, dass die Posaune ein tieferes Instrument ist, und für Instrumente in der Lage gibt es auch in anderen Gattungen wie z. B. den Streichern weniger Repertoire – obwohl die Posaune eigentlich klanglich sehr flexibel ist und innerhalb ihrer Instrumentenfamilie eine große Klangvielfalt bietet.
JOÃO MARTINHO: Das meiste Original-Repertoire für Posaune stammt aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Davor wurde überwiegend für Posaune in kirchlichen Kontexten geschrieben, für Posaunenquartett, dann für Orchester, und erst viel später wurde es auch als mögliches Solo-Instrument betrachtet.
Fast die Hälfte des heutigen Programms sind Werke, die für Posaunenquartett arrangiert wurden.
Wer sind die Arrangeure und worauf kommt es beim Arrangieren an?
JOÃO MARTINHO: Zwei der Arrangeure sind selbst Posaunisten: Thomas Horch war Solo-Posaunist bei den Berliner Philharmonikern und dann für lange Zeit im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks; Lars Karlin hat mit uns studiert und ist jetzt Solo-Posaunist in Kopenhagen – und war lange Zeit Mitglied des Trombone Unit Ensembles in Hannover, was quasi das Posaunenoktett unserer Zeit ist. Ich habe vor einem Jahr auch angefangen, selbst zu arrangieren, aber das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, besonders wenn man es richtig gut machen möchte.
JONAS BUROW: Es gibt in unserem Instrumentenbereich einige, die arrangieren, und mit der Zeit kennt man sich auch untereinander. Gerade für die Ensembles sind wir auch auf solche Menschen angewiesen. Es ist auf jeden Fall hilfreich, wenn die Person vom Instrument kommt oder zumindest z. B. als Trompeter ein gutes Verständnis davon hat, und einen vielleicht sogar kennt, da sie dann weiß, was in der Umsetzung gut oder eher weniger funktioniert.
Ihr teilt zwar die Passion für das gleiche Instrument, aber habt sicherlich individuelle musikalische Vorlieben.
Welches der heute gespielten Werke hat für euch jeweils einen besonderen Stellenwert und warum?
JOÃO MARTINHO: Es geht uns, glaube ich, allen ähnlich mit dem Trombone Quartet von Daniel Schnyder – damit verbindet mich so eine Art Hassliebe: Es ist unfassbar toll zu spielen, aber auch einfach sehr schwer. Mit der Bach Fuge wiederum verbinde ich eine besondere Erinnerung, abgesehen davon, dass sie wunderbar arrangiert ist: ich habe sie auch bei meinem Studienabschluss in Berlin gespielt (u. a. mit Lars Karlin zusammen) und das war ein sehr schöner Moment für mich.
JONAS BUROW: Schnyder ist jemand, der viele großartige Stücke für Blechbläser geschrieben hat; immer am technischen Limit, aber wirklich tolle Musik. Ich persönlich mag auch die Trois chansons de Charles d´Orléans von Debussy sehr gern: Das funktioniert hervorragend für Posaunen, da es eigentlich ein Chorstück ist und sich gesanglich geschriebene Stücke sehr schön darstellen lassen auf unserem Instrument.
Welche Anregung oder Frage möchtet ihr eurem Publikum mit auf den Weg geben?
JONAS BUROW: Welche Unterschiede nehmen Sie bei Bruckner und Schnyder in den Klangfarben der Posaunen wahr?
JOÃO MARTINHO: Wenn Sie eine Weltreise unternehmen könnten, welche Länder würden Sie (auch für die jeweilige Musik dort) besuchen?