„Was ich mit dem dritten Satz des
d-Moll-Cembalokonzerts vorhabe, kommt aus meinem Innersten, aus meinem Herzen.“
von Michael Horst
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Was für eine Beziehung haben Sie zu dem Komponisten, mit dem Ihr neues Werk korrespondiert?
Meine Beziehung zu Bach ist ungefähr gleich alt wie die zur traditionellen georgischen Musik. Schon als Kind fühlte ich mich stark zu beidem hingezogen. Die georgische Musik und Folklore reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Dort finden wir viele drei- bis vierstimmige Gesänge. Ich sehe eindeutig eine Verbindung zur Musik von Bach – den Fugen, Kantaten, all der polyphonen Musik … Es steckt in unserer DNA! Was ich mit dem dritten Satz des d-Moll-Cembalokonzerts vorhabe, kommt aus meinem Innersten, aus meinem Herzen. Ich bin überzeugt, dass eine Mischung aus Petersons Bach-Suite und georgischer Volksmusik perfekt mit dem Konzert von Bach harmonieren wird.
Wann haben Sie das erste Stück von Bach gehört?
Meine erste „Bach-Erfahrung“ war das Präludium und die Fuge Nr. 1 aus dem ersten Buch des Wohltemperierten Klavier. Ich hörte sie, und wollte sie sofort spielen.
Tauchen Sie mit Ihrem Werk und dessen Stil in die Zeit der anderen Komposition ein? Oder bevorzugen Sie es, ganz im 21. Jahrhundert zu bleiben?
Das Wichtigste bei der Bearbeitung ist, den Komponisten zu berücksichtigen, der seit fast drei Jahrhunderten tot ist. Ich muss sehr präsent sein und bringe ein, was ich in meiner heutigen Welt gelernt und erlebt habe – was mich bewegt. Aber ich erinnere mich auch an das, was Bach zu seiner Zeit getan hat. So versuche ich, eine Brücke zwischen dem 18. und dem 21. Jahrhundert zu schlagen. Dieser gesamte Arbeitsprozess ist für mich besonders spannend. Er ermöglicht es mir, eine noch tiefere Beziehung zu Bach zu entwickeln, die wiederum in mein zukünftiges Bach-Spiel einfließen wird.
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Welche Erfahrungen haben Sie mit einer solchen musikalischen Metamorphose?
Das erste Mal, dass ich versucht habe, eigene Arrangements zu entwickeln und einen sehr persönlichen Zugang zu bereits bestehender Musik zu finden, war mit sechs Jahren. Ich bearbeitete einige georgische Volkslieder. Es war noch nicht sehr erfolgreich, aber ich hatte es versucht – ich war neugierig herauszufinden, was möglich ist, was funktioniert und wie mein Kosmos und meine musikalischen Ideen erweitert werden können.
Seitdem konnte ich diese Fähigkeiten glücklicherweise weiterentwickeln. Zuletzt habe ich für das Beethovenfest in Bonn ein Klavierkonzert komponiert, das georgische folkloristische Klänge mit elektronischer Musik und Streichorchester verbindet. Es war ein großartiges Gefühl für mich, so etwas zu schaffen, und ich freue mich sehr darauf, mich in dieser Richtung weiterzuentwickeln.
Natürlich spiegelt dieses neue Arrangement für Hamburg hauptsächlich den Stil Bachs wider, aber ich versuche, mit Musik des 21. Jahrhunderts ein wenig „Würze“ hinzuzufügen.
Im Mittelpunkt der gesamten Saison 2025/26 steht die Idee des Spielens. Was bedeutet „Spiel“ für Sie – im musikalischen und außermusikalischen Sinne?
Für mich bedeutet das Wort „spielen“, dass ich mit Körper und Geist dabei bin, wenn ich spiele, in voller Präsenz. Jedes kleine Detail wird wichtig, mein Denken, mein Spiel, meine Introspektive der Musik.