von Dr. Laura Schmidt
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Tristan und Isolde (Tristan and Isolde)
„Damals ein Skandal – heute ein liebgewonnener Klassiker.“ NDR kultur
Composer: Richard Wagner
Libretto: Richard Wagner
- 1865 10 June, premiere at the National Theatre in Munich
- 1988 13 March, premiere of this production at the Hamburg State Opera
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2026
Vor der letzten Vorstellung findet das Gespräch „Künstlerinnenkopf im Fokus: Ruth Berghaus“ zwischen Prof. Nina Noeske und Dr. Laura Schmidt statt.
21. Juni, 16:15 · Foyer 2. Rang
Cast
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Musikalische Leitung
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Inszenierung
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Bühne
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Kostüme
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Requisiten
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Dramaturgie
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Tristan
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König Marke
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Isolde
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Kurwenal
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Melot
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Brangäne
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Ein Hirt
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Ein Steuermann
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Stimme eines jungen Seemanns
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The Production
- Venue Main Stage
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Duration
315 m
- Intermission A break of ca. 40 minutes after the first act and a pause of ca. 40 minutes after the second act
- Age recommendation Ab 16 Jahren / Klasse 11
- Language In German with German and English surtitles
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Vor der letzten Vorstellung findet das Gespräch „Künstlerinnenkopf im Fokus: Ruth Berghaus“ zwischen Prof. Nina Noeske und Dr. Laura Schmidt statt.
21. Juni, 16:15 · Foyer 2. Rang
Das Repertoire der Staatsoper Hamburg umfasst Inszenierungen der letzten 50 Jahre. Ausstattungen lagern manchmal über Jahre im Depot, bevor Regiearbeiten vergangener Jahre und Jahrzehnte sorgfältig neu einstudiert und auf die Bühne zurückgebracht werden. Je nachdem, wie lange eine Premiere bereits zurückliegt, kommen Interpret:innen gegebenenfalls erstmals mit dieser Arbeit in Berührung. Regiebücher, Fotos und Videomitschnitte geben Aufschluss darüber, wie einzelne Szene im Detail gebaut sind, wann was exakt auf der Bühne zu passieren hat.
In diesem Akt der Reaktivierung von Regiearbeiten schieben sich verschiedene Zeitebenen ineinander. Neue Darsteller:innen füllen bereits existierende Bühnenbilder, Kostüme, Requisiten und definierte Bewegungsabläufe mit Leben, die aktuelle Musikalische Leitung und ein durchaus anders besetztes Orchester übersetzen eine Partitur in Klänge. In der Vergangenheit entstandene Inszenierungen weit davor entstandener Werke werden einem Publikum von heute in einer Welt der Gegenwart präsentiert. Repertoirebetrieb bedeutet somit immer Aneignung, durch ein Theater und seine Zuschauer:innen. Inszenierungen, Kunstwerke eigenen Rechts, werden nicht nur konserviert, sondern stetig am Leben gehalten und im Rahmen ihrer Reproduktion und Rezeption minimal modifiziert. Denn Theater passiert stets im Augenblick, aus der Vergangenheit heraus.
Eine 1988 erarbeitete Inszenierung – unter der Intendanz von Rolf Liebermann an der Hamburgischen Staatsoper herausgebracht – fasziniert vor diesem Hintergrund besonders. Vielen gilt sie mittlerweile als Klassiker, gar als „Kult-Inszenierung“ (NDR) und „Jahrhundert-Inszenierung“ (opera-online). In regelmäßigen Abständen spielt man Tristan und Isolde, inszeniert von Ruth Berghaus, noch in Hamburg. Hierüber wird nicht nur eine zentrale Arbeit einer der prägendsten Musiktheater-Regisseurinnen des 20. Jahrhunderts als historisches Dokument lebendig gehalten, sondern auch der 1988 in die Zukunft weisende Impetus der Produktion in ebendiese Zukunft überführt.
In ihrer Interpretation von Richard Wagners Musikdrama formuliert Berghaus einen starken formalen Anspruch, schafft gleichzeitig eine emotional berührende Welt, begibt sich hinein in die Seelenräume der Protagonist:innen, in den unendlichen Kosmos der Seele. Ihre Deutung bewahrt das Oszillierende von Wagners metaphysischem Werk, schickt Kurwenal, Brangäne und das Liebespaar Tristan und Isolde auf eine Reise in der Welten unendlichen Raum. Auf eine Traumreise, auf der Liebende sich wie Planeten umkreisen, die Unendlichkeit greifbar erscheint, Gravitationskräfte aber nicht aufhebbar sind. Hier geben Liebes-sehnsüchte, Liebesqualen, Liebestod der menschlichen Existenz Schwere, relativieren sich jedoch angesichts der Größe des Universums.
Diese Suchbewegung des Teams verortet die archäologische Zugangsebene zum Stück in der Zukunft, nicht der Vergangenheit. Die Situierung der eigentlich im Mittelalter spielenden Handlung auf einem futuristischen Metallfloß, einem turbinenhaften, umgekipptem Burgturm sowie einer Szenerie mit riesiger Mondkugel, die wie ein Meteorit auf das Schiff, die Burgen und die Eislandschaften gefallen scheint, symbolisiert die Bedrohung und Verlorenheit des Menschen angesichts der Wucht der Technik und des großen Ganzen. Kann angesichts solcher Kräfte Erlösung nur im anderen, durch den anderen passieren?
Berghaus‘ Deutung – wie all ihre Arbeiten radikal antiillusionistisch und die Dialektik der verschiedenen Schichten einer Opernaufführung offenlegend –, lässt Wagners Komposition zur Zukunftsmusik werden, die sich dem ganzen Universum öffnet. Noch immer visionär, resoniert die Inszenierung mit dem Zustand der Welt und zeitgenössischen Produktionen, auch der Staatsoper Hamburg. Im März 2026 hat sich hier der Regisseur Christopher Rüping mit Die große Stille in eine weit entfernte Zukunft begeben, in der eine kleine Gruppe von Menschen irgendwo im Weltall dank Wolfgang Amadeus Mozart noch eine letzte Verbindung zur längst vergangenen Erde aufrechterhält. In Stockhausen für Kinder: Michaels Reise schickte jüngst die Regisseurin Elisabeth Stöppler Michael im Raumschiff auf eine Reise zu sieben Himmelskörpern. All dies im Angesicht des zunehmend zerstörten Planeten Erde.